„Mit 30 oder 35 und zwei Kindern kannst du wiederkommen!“

Kira (25) will keine Kinder – doch Ärzte verweigern ihr die Sterilisation

20. November 2019 - 16:58 Uhr

Keiner der angefragten Ärzte wollte die Sterilisation bei Kira durchführen

Es gibt Frauen, die wissen schon als Kind, dass sie selbst später einmal Kinder möchten – genauso gibt es aber auch Frauen, die schon in jungen Jahren genau wissen, dass sie keine wollen. Eine von ihnen ist die heute 25-jährige Kira. Da sie keine Lust mehr auf das Schlucken der Pille und sonstige Verhütungsmittel hatte, hat sie sich mit Anfang 20 für eine Sterilisation entschieden. Mit diesem Wunsch war sie bei mehr als 20 Gynäkologen. Jeder einzelne der angefragten Frauenärzte führt zwar grundsätzlich Sterilisationen durch, aber niemand wollte den Eingriff bei Kira durchführen. Im Video erzählt sie uns ihre Geschichte – und die Bedingungen, die die Ärzte "durch die Bank" stellten.

Ärzte dürfen ohne medizinischen Grund selbst entscheiden, ob sie eine Sterilisation vornehmen

Im Fall von Kira wurde einer jungen Frau nach eingehender Beratung und langjähriger Auseinandersetzung mit dem Thema der Wunsch nach einer Sterilisation verweigert. Und Kira ist nicht die einzige junge Frau, die vergeblich einen Arzt sucht, der den Eingriff durchführt. Spricht man diesen Frauen dadurch nicht ab, eine Entscheidung über den eigenen Körper und die eigene Familienplanung zu machen?

Grundsätzlich dürfen Sterilisationen bei der Frau ab der Volljährigkeit durchgeführt werden. Zumindest theoretisch – in der Praxis ist das, wie der Fall von Kira zeigt, nicht so einfach. "Das ist nicht bevormundend, weil ich die Verantwortung für den Eingriff übernehmen muss", erkärt Dr. Astrid Franke, die in einer der von Kira abgeklapperten Praxen arbeitet, gegenüber "Jetzt.de". Ärzte dürfen ohne medizinischen Grund selbst entscheiden, ob sie eine Sterilisation vornehmen.

"Ein Wunsch ist keine medizinische Indikation, es muss einen Grund geben und wenn es nur darum geht, nicht schwanger zu werden, dann reicht das nicht", findet sie. Die Ärzte, die den Eingriff dennoch durchführen, verlangen häufig psychologische Gutachten und eine schriftliche Erklärung darüber, dass die jungen Frauen sich der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst sind und sie aus eigenem, freien Willen treffen. 

„Nur wer eine endgültige Verhütungsmethode wünscht, sollte sich für eine Sterilisation entscheiden“

"Ich finde natürlich nicht, dass jede Frau ein Kind bekommen muss, aber die Lebenswege sind so unterschiedlich und sich diese Möglichkeit so früh zu verbauen, halte ich für schwierig", sagt Franke. Tatsächlich ist es zwar nicht unmöglich, die Sterilisation einer Frau wieder rückgängig zu machen, doch der entsprechende Eingriff ist sehr aufwendig und ein Erfolg ist nicht garantiert.

"Nur wer eine endgültige Verhütungsmethode wünscht, sollte sich für eine Sterilisation entscheiden", heißt es deshalb in den Informationen zu dem Thema von Pro Familia. In den Pro-Familia-Beratungsstellen bekommen Frauen, die eine Sterilisation wünschen, Hilfe.