Kipping und Riexinger führen die Linke

Lafontaine-Freundin Sahra Wagenknecht erklärte nach langem Zögern ihren Verzicht.
© dpa, Jochen Lübke

03. Juni 2012 - 14:50 Uhr

“Es muss doch möglich sein, dass wir menschlich miteinander umgehen“

Der baden-württembergische Linke-Chef Bernd Riexinger und die sächsische Bundestagsabgeordnete Katja Kipping sind die neue Doppelspitze der Bundespartei. Der 56-jährige Vertreter des linken Gewerkschaftsflügels um Oskar Lafontaine setzte sich auf dem Parteitag in Göttingen in einer Kampfabstimmung um den Vorsitz gegen den ostdeutschen Reformer Dietmar Bartsch durch. Für Riexinger stimmten 297 Delegierte, für Bartsch 251. Zuvor hatte Kipping mit 67,1 Prozent der gültigen Stimmen gegen die Hamburger Fraktionschefin Dora Heyenn gewonnen.

"Diese Gesellschaft braucht eine gemeinsam handelnde Linke", sagte die 34-Jährige mit Blick auf den Streit zwischen den Parteiflügeln. Sie wolle die Vision einer erneuerten Linken einbringen. Sie will die ost- und westdeutschen Lager der zerstrittenen Partei versöhnen. "Bitte lasst uns diese verdammte Ost/West-Verteilung auflösen", sagte sie. Die Auseinandersetzung verschiedener Strömungen sei berechtigt - die Unterscheidung spezieller Interessen von Mitgliedern in den neuen und alten Bundesländern schade aber der Partei. "Es gibt auch die eine oder andere menschliche Verwerfung", räumte Kipping mit Blick auf die jüngsten Richtungskämpfe ein. "Es muss doch möglich sein, dass wir menschlich miteinander umgehen bei allem Streit."

Riexinger galt als Ersatzmann für Oskar Lafontaine nach dessen Rückzug aus dem Machtkampf. Er habe die Vision einer sozialistischen Gesellschaft, erklärte er in seiner Bewerbungsrede. "Wir müssen uns auf unsere Ziele besinnen." Er sei überzeugt, es gebe in Ost und West sehr viele positive Ansätze, sagte der 56-Jährige mit Blick auf die zerstrittenen, vornehmlich aus dem Osten stammenden Reformern und den überwiegend in den alten Bundesländern vertretenen Fundamentalisten. Er sehe keine unüberwindbaren Barrieren.

Wagenknecht verzichtete nach langem Zögern

Die stellvertretende Chefin Sahra Wagenknecht hat nach langem Zögern ihren Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt. "Ich möchte nicht die Polarisierung auf die Spitze treiben, weil ich glaube, dass das unserer Partei nicht gut tut", sagte die Lebensgefährtin von Lafontaine.

Der Weg einer weiblichen, moderierenden Doppelspitze scheiterte kurz vor den Abstimmungen. Die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen entschied sich dafür, ihre Kandidatur zurückzuziehen. Die 39-jährige wollte die Partei eigentlich mit der fünf Jahre jüngeren Kipping aus der Krise führen. Das Duo stand

für einen Generationswechsel und eine anti-autoritäre Linke, die nicht mehr von mächtigen Männernetzwerken gesteuert wird. Die Versuche, in Vorgesprächen eine Mehrheit für diesen "dritten Weg" zu finden, seien aber gescheitert, hieß es im Umfeld der beiden.