Forderungen zur Umbenennung jetzt auch in Köln und Wuppertal

Kippen jetzt alle Mohrenstraßen?

Ist die „Mohrenstraße“ rassistisch? Weil die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Namen aus dem Fahrplan streichen, könnten andere Städte mit einer Umbenennung jetzt nachziehen.
© Nico Nölken

09. Juli 2020 - 18:15 Uhr

Streit um Namensgebung tobt in mehreren Städten

Ist die "Mohrenstraße" rassistisch? Weil die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Namen aus dem Fahrplan streichen, könnten andere Städte mit einer Umbenennung jetzt nachziehen. In Köln und Wuppertal tobt die Debatte um die gleichnamigen Straßenzüge. SPD-Politiker in den beiden Städten wollen die Namen der Straßen nun ändern.

SPD will Geschichte aufarbeiten

Die Kölner Sozialdemokraten wollen zwar zunächst eine Debatte anstoßen. Initiator Tim Cremer sagt aber auch klar: "Wir wollen schon Geschichte aufarbeiten." Aktuell gehe man davon aus, dass es sich um einen diskriminierenden Begriff handle. "Wir wollen die umbenennen." Zuerst hatte der "Kölner Stadt-Anzeiger" darüber berichtet. Für eine mögliche Änderung des Straßennamens ist die höhere kommunale Ebene der Bezirksvertretung Köln zuständig.

Begriff "Mohrenstraße" wird als Pendant zum N-Wort betrachtet

Mohrenstraße Köln
Die Mohrenstraße in Köln.
© Nico Nölken

Ob die "Mohrenstraße" auch in Köln kippt, könnte vom Ursprung des dortigen Straßennamens abhängen: Ein Argument lautet, dass er eigentlich als Ehrung gemeint war. Die Kölner Afrikanistik-Professorin Marianne Bechhaus-Gerst hat sich damit beschäftigt. "Der Name soll an den Heiligen Gregorius Maurus und andere Soldaten der thebäischen Legion erinnern - unter anderem auch an St. Gereon -, die afrikanischer Herkunft waren", erklärte sie. "Dass es sich hier um eine Ehrung handelt, ändert aber nichts daran, dass die Bezeichnung rassistisch ist."

Bei dem Begriff "Mohr" handelt es sich nämlich um eine abwertende, althochdeutsche Bezeichnung für schwarze Menschen. Von vielen Betroffenen wird der Begriff heute als Pendant zum N-Wort betrachtet. Der Begriff geht nämlich unter anderem auf das griechische Wort "moros" zurück, welches "töricht" und "dumm" bedeutet.

Wohl deshalb wollten einige Kölner nicht mehr warten, haben längst selbst Hand angelegt und bestehende Schilder demoliert: Über zwei der Straßenschilder wurden zwei Punkte über das "O" gemalt, sodass aus der "Mohrenstraße" die "Möhrenstraße" wurde. Unbekannte versuchten, das Wort "Mohren" mit Edding zu übermalen.

Wuppertaler Jusos halten Änderung für unumgänglich

Auch in Wuppertal regt sich Widerstand. Die örtlichen Jusos halten eine Umbenennung der "Mohrenstraße" im Stadtteil Heckinghausen für unumgänglich. "Spätestens seit der 'Black Lives Matter'-Bewegung rückt die Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte in den Fokus vieler Kommunen. Auch unsere Stadt sollte sich deshalb überlegen, welche Handlungsmöglichkeiten sie hat, um dieses Erbe stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rücken und eine Auseinandersetzung zu ermöglichen", erklärte Yannik Düringer, Vorsitzender der Jusos.

In Berlin könnte sich die Namensänderung der Straße – unabhängig von der gleichnamigen U-Bahn-Station – unterdessen noch Jahre hinziehen, weil gegen eine Umbenennung laut Stadt Widerspruch eingelegt und geklagt werden kann.

Der Berliner U-Bahnhof soll hingegen schon bald einen neuen tragen. Lesen Sie hier, warum sich die Berliner Verkehrsbetriebe mit dem neuen Namensvorschlag bundesweit blamierten.