Prozess in Dresden gestartet

Vater soll seinem Baby den Schädel gebrochen haben

02. September 2020 - 9:45 Uhr

Vater aus Dresden sollte auf drei Monate altes Baby aufpassen

Der kleine Ben (3) leidet bis heute unter den Folgen von massiver Gewalt. Der kleine Junge kam als Baby mit schweren Schädelverletzungen ins Krankenhaus. Drei Jahre später hat er immer noch Schwierigkeiten, richtig zu sehen, und bekommt Physiotherapie. In Dresden steht nun der Mann vor Gericht, der dem Kind das angetan haben soll: sein Vater. Marek W. soll seinen drei Monate alten Sohn damals geschüttelt und mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben. Im Video erzählt die Mutter des Kindes, was sie fühlte, als sie von dem Gewaltausbruch gegen ihr Kind erfuhr.

Kindesmisshandlung: Baby hatte mehrere Schädelbrüche und innere Blutungen

Der Vater sollte drei Tage auf den Säugling aufpassen, während die Mutter Nancy O. im Krankenhaus lag. Doch schon am zweiten Tag, bekam die Mutter plötzlich Fotos von ihrem Baby mit einem blauen Auge geschickt. Marek W. behauptete, Ben sei von der Wickelkommode gestürzt. Das Baby kam ins Krankenhaus und wurde sofort notoperiert. Die Ärzte stellte mehrere Schädelbrüche und innere Blutungen fest.

Ihr Kind habe fürchterlich ausgesehen – erinnert sich Nancy O. im RTL-Interview. Der Kopf des Babys sei richtig verbeult gewesen. Sie habe es nicht ausgehalten, ihr Baby so zu sehen, sagt die Mutter. Mehr als zwei oder drei Besuche im Krankenhaus habe sie damals nicht verkraftet. Darum gab das Jugendamt Ben in die Familie seines Onkels. Der Dreijährige lebt nun beim Bruder seines Vaters.

Nancy O. mit Baby Ben
Nancy O. lag im Krankenhaus, als Marek W. Baby Ben den Schädel gebrochen haben soll.
© Privat

Vater behauptete Baby Ben sei vom Wickeltisch gefallen

Nancy O. glaubte Marek W. die Geschichte mit dem Wickeltisch zuerst. In der Beziehung hatte es zwar häufiger Streit gegeben, aber der Mann sei nie gewalttätig geworden. Erst als sie das völlig zerschlagene Kinderbettchen sah, wurde der Mutter klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Sie habe völlig unter Schock gestanden und sich direkt von Marek W. getrennt, sagt sie.

Die Anklage geht davon aus, dass der Mann das Baby maßregeln wollte und es darum schüttelte und gegen den Kopf schlug – so sehr, dass der kleine Schädel brach. Der Gewaltausbruch soll sich morgens gegen 6 Uhr ereignet haben. Danach soll der Vater noch stundenlang gewartet haben, bis er Ben ins Krankenhaus brachte. Erst gegen 17 Uhr tauchte er mit dem Säugling in der Notaufnahme auf.

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Nancy O. hofft im Prozess nun auf Gerechtigkeit für ihren Sohn

Nancy O. glaubt, dass ihr Ex-Partner damals wohl überfordert mit dem Baby war. Normalerweise habe sie das Kind versorgt. Nur wenn sie mal einen Termin hatte, habe der Vater sich gekümmert. Ben sei ein Wunschkind gewesen, sagt sie. Sie ist nun vor allem enttäuscht, dass sich die juristische Aufarbeitung des Falls so lange hinzieht und dass Marek W. auch drei Jahre nach der Tat noch immer frei herumläuft. Sie hofft, dass ihr Ex nun die Konsequenzen für sein Handeln zu spüren bekommt.

Nancy O. hat weiterhin Kontakt zu ihrem Sohn Ben. Der Vater habe sich noch nicht einmal beim Jugendamt gemeldet und sich erkundigt, wie es dem Jungen geht. Die Mutter würde Ben gerne wieder zu sich holen, weiß aber, dass sie das nur langsam angehen kann. Ben fühlt sich bei der Familie seines Onkels wohl und Nancy O. hat inzwischen noch eine weitere Tochter bekommen und ist wieder schwanger. Ihre Zwei-Zimmer-Wohnung wäre mit drei kleinen Kindern einfach zu eng. Sie will nun eine größere Wohnung suchen und dann versuchen, Ben nach Hause zu holen.