Sandra M. (25) soll Kita-Kind Greta (3) ermordet haben

Bürgermeister von Kempen: "Es gab keine Chance hellhörig zu werden"

Volker Rübo
© RTL

03. Juni 2020 - 8:27 Uhr

Sandra M. soll auch einen Jungen (2) misshandelt haben

Wie kann es sein, dass eine 25 Jahre alte Erzieherin über Jahre hinweg Kinder in mehreren Kitas unbemerkt misshandeln konnte, ein Mädchen womöglich sogar getötet hat? Gab es wirklich keine Frühwarnzeichen? RTL hat mit dem Bürgermeister von Kempen, Volker Rübo, gesprochen. Auch in seiner Stadt war die Erzieherin vom 1. August 2018 bis 31. Juli 2019 in einer Kita tätig. Vier Mal sei in dieser Zeit der Notarzt gerufen worden, weil ein Kind über Atemnot geklagt habe.

Bürgermeister: Es habe keinen Ansatz gegeben

Viersen
Erzieherin Sandra M. (25) soll die kleine Greta ermordet haben.
© Privat

Die Stadt Kempen hat nach einem früheren Dementi nun doch eingeräumt, dass es vier Vorfälle in der Kita gab, in der die inzwischen unter Mordverdacht stehende Erzieherin gearbeitet hat. In der Einrichtung sei der Notarzt gleich vier Mal vorgefahren. Immer wegen dem gleichen Jungen, immer habe man nach einer verborgenen Krankheit gesucht. "Jedes Mal kam die Rückmeldung aus der Klinik, wir können nichts sagen, wir haben keine medizinischen Erkenntnisse woher diese Atemnot stammt", erklärt Kempens Bürgermeister Rübo.

Es seien damals wie vorgeschrieben Unfallanzeigen über das Jugendamt an die Unfallkasse geleitet worden. Diese seien nicht zu beanstanden gewesen. Es habe keinen Ansatz gegeben weitere Ermittlungen anzustellen, so Rübo. "Im Nachhinein muss man sagen, hat die Erzieherin offensichtlich mit einem medizinischen Fachverstand auf die Kinder eingewirkt, dass man nichts feststellen konnte, kein Fremdverschulden", sagt er.

Stadt Kempen räumt Vorkommnisse in Kita ein

29.05.2020, Nordrhein-Westfalen, Viersen: Bemalte Steine liegen vor einer Kita. Bei den Ermittlungen gegen eine wegen Mordes an einem dreijährigen Kita-Kind verdächtigen Erzieherin sind die Behörden auf weitere Vorfälle in der beruflichen Vergangenhe
Bemalte Steine liegen vor dem Eingang einer Kita in Viersen
© dpa, Federico Gambarini, fg wst

Die Ermittler schließen inzwischen nicht aus, dass die Erzieherin auch in Kempen versucht haben könnte, ein Kind zu töten. "Das ist etwas unvorstellbares, unfassbares und das geht mir sehr sehr nahe", sagt Rübo. Die Betroffenheit sei groß, vor allem bei Eltern, die sich nun Sorgen um ihre Kinder machen. "Sie geben ihre Kinder bei uns ab und sind davon überzeugt, dass sie gut betreut werden und dass ihnen nichts passiert", sagt der Bürgermeister, "und müssen nun erfahren, dass eine Erzieherin auf diese Weise auf die Kinder eingewirkt hat. Das hinterlässt tiefe Spuren."

Noch am Dienstag hatte die Stadt auf Anfrage mitgeteilt, in der Kita habe es während der Beschäftigungszeit der Erzieherin keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Die "Rheinische Post" hatte zuvor über eben solche berichtet. Am Donnerstag begründete ein Sprecher seine früheren Aussagen mit einem Auskunftsverbot durch die Staatsanwaltschaft.

Rübo: Solche Fälle kriegt man nicht ausgeschlossen

Nach Bekanntwerden der Fälle werden nun Forderungen nach einer Änderung in der Erzieher-Ausbildung und der Bewerber-Kontrolle laut. Bürgermeister Rübo empfindet diese Diskussion als schwierig. "So wie sich der Sachverhalt heute darstellt, hätte man nicht anders hingucken können. Es gab keinen Ansatzpunkt, es gab keine Chance hellhörig zu werden", erklärt er. Aufgrund der fachlichen Kompetenz der verdächtigen Erzieherin habe man damals Konsequenzen gezogen und ihren Vertrag nicht verlängert. Sie habe sich nicht in Team gefügt und keine Beziehung zu den Kindern aufbauen können, so Rübo. "Aber darauf zu schließen, dass diese Erzieherin in irgendeiner Weise auf ein Kind eingewirkt hat, da gab es überhaupt keine Ansatzpunkte." 

Man müsse in Zukunft mehr darauf drängen, dass Arbeitszeugnisse vorgelegt werden, wenn Erzieher neu eingestellt werden, schlägt er vor. Dann werde man mehr über die Person in Erfahrung bringen können. "Aber letztendlich kriegt man einen solchen Fall damit nicht ausgeschlossen, leider", sagt er. 

Was für ein Mensch tut Kindern so etwas an?

Erzieherin Sandra M. steht im Verdacht, in Viersen die dreijährige Greta umgebracht zu haben. Das kleine Mädchen war am 21. April von einem Notarzt wegen Atemstillstands aus dem Kindergarten ins Krankenhaus gebracht worden. Am 4. Mai starb das Kind dort. Wie die Polizei mittlerweile herausfand, war Greta aber nicht das einzige Kind, bei dem es in der Obhut der 25-Jährigen zu Zwischenfällen kam. Stellt sich Frage: Was ist das für ein Mensch, der Kindern so etwas antut?