Erzieherin aus Kita in Viersen unter Mordverdacht

Der Fall Sandra M.: Einstellung trotz schlechter Zeugnisse - Kita-Vorstand schweigt

01. Juni 2020 - 9:43 Uhr

Arbeitskollegen aus Kita in Viersen: Sandra M. konnte nicht mit Kindern umgehen

Was Sandra M. (25) vorgeworfen wird, wiegt schwer. Mehrere Kinder soll die Erzieherin misshandelt haben. Die 25-Jährige steht unter dringendem Tatverdacht, die kleine Greta (3) aus Viersen getötet zu haben. Das Mädchen wurde mit Atemstillstand aus der Kita ins Krankenhaus gebracht, wo es wenige Tage später starb.

Kita-Vorstand in Tönisforst bestätigt Vorfall

Auch bei einer früheren Arbeitsstelle von Sandra M. in Tönisvorst soll es zu einem ernsten Zwischenfall mit einem Kind gekommen sein. Die Erzieherin ist mit einem Zweijährigen alleine an der Wickelstation, als der Junge plötzlich Atemprobleme bekommt. Das Kind wird unter Notarzteinsatz ins Krankenhaus gebracht, wo es sich wieder erholt. Der Junge soll seinem Vater später erzählt haben, dass die Erzieherin ihm fest auf den Bauch gedrückt habe, berichten die Ermittler.

RTL-Reporter Carsten Lueb war vor Ort in Tönisforst, wo es zu dem Vorfall kam. Warum die Betreiber der Kita damals keinen Verdacht schöpften, erklärt Lueb im Video. Mittlerweile hat sich auch das NRW-Familienministerium eingeschaltet: "Sollten sich die schrecklichen Vorwürfe bewahrheiten, muss auch im Detail vor Ort der Frage nachgegangen werden, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Jugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden", heißt es aus der Behörde.

Kein zentrales Register für ähnliche Fälle

In der Vergangeneit war Sandra M. immer wieder negativ als Erzieherin aufgefallen, heißt es. Zwischen 2017 und 2020 wechselte die junge Frau mehrfach die Arbeitsstelle. Und, obwohl ihre Zeugnisse durchweg schlecht ausgefallen seien, weil ihre Arbeitskollegen der Ansicht waren, sie könne nicht mit Kindern umgehen, fand M. immer wieder einen neuen Job als Erzieherin. "Es ist in dieser Branche so, dass es nicht üblich ist, direkt die Zeugnisse vorzulegen, wenn es um eine Neueinstellung geht", erklärt RTL-Reporter Carsten Lueb, der sich mit den Zuständigen unterhalten hat. Bei einer Einstellung zähle wohl erst einmal der persönliche Eindruck. Ein zentrales Register für Erzieherinnen gebe es nicht.