Gericht spricht Angeklagten in erstem Urteil zum Komplex schuldig

Kindesmissbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Bundeswehrsoldat zu 10 Jahren Haft verurteilt

26. Mai 2020 - 18:26 Uhr

Angeklagter gestand Missbrauch seiner Tochter und eines Stiefkinds

Im bundesweiten Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat das Landgericht Kleve am Dienstag das erste Urteil gesprochen. In der auswärtigen Strafkammer im niederrheinischen Moers ist ein Bundeswehrsoldat zu 10 Jahren Haft verurteilt worden. Anschließend soll er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden. Er hat insgesamt vier kleine Kinder in mehr als 30 Fällen missbraucht. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte vor Gericht weitgehend zugegeben. Opfer des 27-Jährigen waren nach seinen Angaben vor allem der kleine Stiefsohn und eine leibliche Tochter. Der Mann hatte einige seiner Taten gefilmt und mit anderen Verdächtigen auf Online-Plattformen geteilt.

Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach: Letzte Worte des Angeklagten

Im Plädoyer hatte die Staatsanwaltschaft neun Jahre Haft und die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik gefordert. Wie RTL-Reporter Valerio Magno berichtet, habe ein Gutachter dem Angeklagten ein mittleres Rückfall-Risiko bescheinigt und wörtlich gesagt: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert."

Der verurteilte Soldat Bastian S., sagte vor dem Urteil: "Das hätte mir nicht passieren dürfen. Das tut mir wirklich leid. Ich weiß, was ich den Kindern angetan habe. Es tut mir leid, dass ich meine Familie so hintergangen habe."

Verteidiger fordert sieben Jahre Haft

Bastian S. werde in weiteren Verfahren rund um den Missbrauchskomplex vollumfänglich aussagen, erklärte sein Anwalt im Plädoyer. Der Verteidiger forderte sieben Jahre Haft für seinen Mandanten. Die Anwälte der Opfer in der Nebenklage kritisierten in ihren Plädoyers die "erschreckend hohe Anzahl der Taten", wie es die Anwältin der missbrauchten Nichte formulierte. Der Anwalt des Stiefsohns sagte: "Der Angeklagte hätte immer so weitergemacht. Ich fürchte, dass die Taten bei dem Stiefsohn nicht ohne Folgen bleiben."

Zu Prozessbeginn war bereits von aggressivem Verhalten und sexuellen Bewegungen bei dem Jungen in Folge des sexuellen Missbrauchs die Rede. Es kamen grausame Details zu Tage: Mit Schokoladenlikör sollen die Kinder teilweise gefügig gemacht worden sein, für den Missbrauch sollen die Tatverdächtigen Sexspielzeug und Reizwäsche besorgt haben, hieß es in der Anklage. Der Angeklagte saß still da, bestätigte immer wieder Ausführungen der Staatsanwaltschaft, wie RTL-Reporter im Gerichtssaal beobachteten.

Im Video: Bekannter beschreibt Angeklagten

Die Ermittlungen zu dem bundesweiten Kinderpornografie-Tauschring begannen in Bergisch Gladbach und erstrecken sich mittlerweile auf sämtliche Bundesländer. Erste Prozesse laufen, vielerorts wird noch ermittelt.

Zu Hintergründen von sexuellem Missbrauch im familiären Umfeld haben wir mit einem Opfer von sexuellem Missbrauch in der Kindheit und einer Kriminalpsychologin gesprochen – die Interviews lesen Sie hier.