Kinderschänder-Prozess von Bergisch Gladbach gestartet

Jörg L. fiel über Tochter her, wenn seine Frau weg war

18. August 2020 - 11:04 Uhr

Jörg L. soll seine Tochter immer wieder missbraucht haben

Letzte Woche wurde der Prozessbeginn im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach verschoben. Jetzt soll es dem mutmaßlichen Kinderschänder Jörg L. an den Kragen gehen. Am Montag startete der Prozess am Landgericht Köln gegen den Verdächtigen, der alles ins Rollen brachte. Er wird beschuldigt, seine 2017 geborene Tochter immer wieder sexuell missbraucht zu haben. Seine abscheulichen Taten filmte der 43-Jährige. Die Aufnahmen schickte er an Gleichgesinnte.

Der Angeklagte schlug zu, wenn seine Frau nicht da war

Die Anklage ist der Horror: Die Tochter von Jörg L. soll erst wenige Monate alt gewesen sein, als der Missbrauch anfing. Die Vorgehensweise war oft dieselbe: der Angeklagte nutze es aus, wenn seine Frau nicht da war. Das sei oft morgens der Fall gewesen. Deshalb spricht die Staatsanwältin von "zur üblichen Zeit morgens um 08:00 Uhr". Die im Gerichtssaal beschrieben Taten sind so abscheulich, dass man nicht hinhören mag – jede einzelne soll der Familienvater gefilmt haben.

Jörg L. stand mit anderen Männern im Austausch. In der Anklage tauchen immer neue Namen auf. Manchmal spricht die Staatsanwältin von "...schickte der Angeklagte dem gesondert verfolgten...". Hier wird klar, wie groß dieser Fall ist, mit wie vielen anderen Männern der Angeklagte im Kontakt stand. Mit einem von ihnen soll er geplant haben, seine Nichte zu missbrauchen. Doch so weit kam es zum Glück nicht mehr. Die Polizei nahm Jörg L. vorher fest.

Task Force zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch

Mit Durchsuchungen bei dem Familienvater im Herbst 2019 war der ganze Fall ins Rollen gekommen. Polizisten fanden nicht nur riesige Mengen kinderpornografischen Materials - sie stießen auch auf digitale Kontakte zu anderen Männern. Mittlerweile werden Spuren in Foren, Gruppenchats und Messenger-Diensten zu Tausenden möglichen Verdächtigen verfolgt. Insgesamt sind die Ermittler auf Spuren von mehr als 30.000 Verdächtigen gestoßen. 

Eine eigene "Task Force" von Cyber-Ermittlern werde jetzt die Arbeit aufnehmen. Sechs Staatsanwälte würden sich dann unter großem Zeitdruck zuerst um die Fälle bemühen, bei denen davon auszugehen ist, dass der Missbrauch von Kindern fortgesetzt werde, sagte NRW-Justizminister Peter Biesenbach Ende Juni.