Kindesmissbrauch anstatt humanitäre Hilfe

24. Januar 2012 - 10:08 Uhr

Humanitäre Hilfe als Vorwand

Er flog unter dem Vorwand, Kindern in der Karibik zu helfen, immer wieder nach Haiti und in die Dominikanische Republik. Doch statt sie tatsächlich zu unterstützen, verging sich der 58-jährige Berliner immer wieder an ihnen und brachte einen der Jungen sogar illegal nach Deutschland.

Prozess um Kindesmissbrauch
Der Angeklagte Hans B. wurde wegen Kindesmissbrauch zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
© dpa, Armin Weigel

Im Prozess wegen Kindesmissbrauch verurteilte das Landshuter Landgericht den bereits vorbestraften Berliner nun zu vier Jahren und sechs Monaten Haft. Die Staatsanwaltschaft forderte fünf Jahre und acht Monate für den Gründer einer Hilfsorganisation. Die Verteidigung hatte sich hingegen vehement dafür eingesetzt, eine Haftstrafe von fünf Jahren nicht zu überschreiten. Beide Parteien wollten laut 'Spiegel'-Informationen prüfen, ob sie gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.

Gericht sieht von Sicherungsverwahrung ab

Nach Überzeugung des Gerichts verging sich der pädophil veranlagte Mann mindestens viermal an einem Jungen. Während des Prozesses räumte der Mann mehrere Missbrauchsfälle ein, drückte sein Bedauern aus und legte ein Geständnis ab. Laut Informationen der 'Süddeutschen Zeitung' hab er sich in den Jungen verliebt und seine Gefühle nicht im Griff gehabt. Entschieden wies er jedoch den Vorwurf zurück, er habe seine humanitären Initiativen als Vorwand genutzt.

Bereits im vergangenen Jahr wurde der 58-Jährige am Münchener Flughafen festgenommen, als er gemeinsam mit einem Komplizen und einem Jungen gefasst wurde. Ein mitangeklagter 27-jähriger Brasilianer wurde bereits im Vorfeld zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Trotz des mehrmaligen Vergehens an einem Jungen, der Ermittlung wegen weiterer Missbrauchstaten sowie dem Besitz von kinderpornografischem Material sah das Gericht von einer Sicherheitsverwahrung für den Angeklagten ab.