Julia von Weiler von "Innocence in Danger"

Kinderschutzorganisation über Missbrauch: "In jedem Klassenraum sitzen mindestens zwei betroffene Kinder“

02. Juli 2020 - 9:52 Uhr

Ein Missbrauchsskandal reiht sich an den anderen

Mehrere Kindesmissbrauchsskandale haben in den letzten Monaten Deutschland erschüttert. Im Missbrauchskomplex von Bergisch Gladbach hat die Polizei sage und schreibe 30.000 Verdächtige ausfindig machen können. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) und andere Politiker fordern deshalb jetzt härtere Strafen für Täter, die sich an Kindern vergreifen. Julia von Weiler von der Kinderschutzorganisation "Innocence in Danger" begrüßt das Vorhaben. Im Gespräch mit "Guten Morgen Deutschland" schockiert sie mit blanken Zahlen: In jeder Schulklasse säßen mindestens zwei Kinder, die in ihrem Umfeld sexuelle Gewalt erlebt hätten. Was die Täter überhaupt zu ihren schrecklichen Taten treibt, erklärt die Diplom-Psychologin im Video.

"Innocence in Danger": Härtere Strafen sind wichtiges Signal für Opfer

"Wir müssen Eltern, Lehrer, Kindergärtnerinnen, wen auch immer, die ganze Zeit immer wieder darauf hinweisen, dass in ihrem Umfeld sexuelle Gewalt stattfindet. Denn in jedem Klassenraum sitzen mindestens zwei betroffene Kinder", sagte von Weiler.

Die von der SPD geplanten härteren Strafen für Kindesmissbrauch finde sie wichtig und richtig, sagte die Diplom-Psychologin im GMD-Interview. "Es ist (…) ein wichtiges Signal an die Täter, weil es ihnen sagt: Es ist nicht eine Bagatelle, sondern es ist ein Verbrechen. Und es ist vor allen Dingen ein ganz wichtiges Signal an die betroffenen Opfer, denen es eben sagt: Wir (…) werden das auch entsprechend ahnden."

Kindesmissbrauch soll zukünftig mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft werden

 Christine Lambrecht, Bundesministerin fuer Justiz und Verbraucherschutz, aufgenommen im Rahmen eines Statements zum Thema Reformpaket zur Bekaempfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder im Bundesministerium fuer Justiz und Verbraucherschutz in Berlin
Justizministerin Christine Lambrecht, (SPD) will die Strafen für Kindesmissbrauch verschärfen
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Die Verbreitung von Kinderpornografie soll ein Verbrechen werden - mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. Auch für sexualisierte Gewalt an Kindern plant Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) empfindlichere Strafen, wie sie in Berlin erklärte.

Sexueller Missbrauch soll zum Verbrechen hochgestuft werden, zudem soll der Strafrahmen von bisher sechs Monaten bis zehn Jahren Gefängnis auf ein bis fünfzehn Jahre steigen. Auch der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie sollen härter bestraft werden. Welche Strafen außerdem verschärft werden sollen, können Sie hier nachlesen.

"Kein Täter darf sich vor Entdeckung sicher fühlen. Der Verfolgungsdruck muss deshalb massiv erhöht werden", forderte sie. Die Debatte um härtere Strafen war durch den Missbrauchsfall in Münster mit mittlerweile 21 Verdächtigen neu angefacht worden.