Ein-Haushalt-plus-1 gilt auch für die Kleinen

Kinderschutzbund kritisiert: Corona-Kontaktregel wie "geschlossene Unterbringung"

Kinder sind nicht von den neuen Corona-Kontaktbeschränkungen ausgenommen.
© iStockphoto, portishead1

08. Januar 2021 - 8:19 Uhr

Kinder sind diesmal nicht von den harten Lockdown-Maßnahmen ausgenommen

Seit dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern am 5. Januar ist klar: Als Teil des harten Lockdowns werden die bundesweiten Kontaktbeschränkungen nochmals verschärft. Ab sofort sollen private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten auf maximal eine weitere haushaltsfremde Person begrenzt bleiben – und das gilt diesmal auch für Kinder unter 14 Jahren. Der Kinderschutzbund Niedersachsen kritisiert diese Corona-Kontaktregeln für Kinder nun scharf.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

„Es fehlen die Impulse für den Spaß am Leben“

Nach dem jüngsten Bund-Länder-Beschluss, der auch in Niedersachsen von Sonntag an gelten soll, dürfen sich bis Ende Januar nur noch die Mitglieder eines Haushalts mit einer weiteren Person treffen, egal welchen Alters. Zwei Geschwister etwa dürfen demnach nicht mehr gemeinsam zu den Großeltern gehen, zwei Elternteile sich nicht mehr mit ihren jeweiligen Kindern am Spielplatz treffen.

"Im Grunde genommen ist das vergleichbar mit einer geschlossenen Unterbringung", sagte der Landesvorsitzende des Kinderschutzbunds, Johannes Schmidt. "Es ist das Kappen unglaublich vieler elementarer Grundbedürfnisse von Kindern." Darunter leide etwa die Entwicklung des Selbstbewusstseins und der Sprache. "Die Gesellschaft für Kinder zuzumachen, ist ein ganz furchtbarer Schritt", betonte Schmidt. "Es fehlen die Impulse für den Spaß am Leben." Das könne schlimmstenfalls auch zu Gewalt in der Familie oder gegenüber anderen Kindern führen.

Aus Kontakten zu den Jugendämtern wisse er, dass es seit Beginn der Corona-Krise mehr Meldungen von Kindeswohlgefährdungen gebe. Genaue Zahlen lägen darüber aber noch nicht vor. Für die Zeit nach der Pandemie forderte Schmidt, die Unterstützung von Jugendämtern und Kinderprojekten um Millionen zu erhöhen - auch, um Schäden der Corona-Krise aufzuarbeiten.

Einige Bundesländer planen Sonderregelungen für Kinder

Erste Bundesländer haben bereits bekannt gegeben, dass es Sonderregelungen für Kinder geben soll. So plant Berlin beispielsweise eine Sonderregel für die Kinder von Alleinerziehenden und Schleswig-Holstein möchte Kinder unter 15 Jahren ausnehmen, die von Familienangehörigen betreut werden.

In Hamburg wird es hingegen laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) erstmal keine Ausnahmen für Kinder geben. Auch in Hessen sollen Kinder bei den Kontaktbeschränkungen mitzählen. Ausnahmen gibt es für die gemeinsame Kinderbetreuung von bis zu drei Familien oder für die Begleitung und Betreuung minderjähriger oder unterstützungsbedürftiger Personen.

TVNOW-Dokus: Corona und die Folgen

Das Corona-Virus hält die Welt seit Monaten in Atem. Auf TVNOW finden Sie jetzt spannende Dokumentation zur Entstehung, Verbreitung und den Folgen der Pandemie.