Was Sie zum Verfahren gegen den Ex-Kicker wissen müssen

Kinderpornografie-Prozess gegen Christoph Metzelder startet: Kommt es zum Skandal im Gerichtssaal?

Ex-Fußballprofi Christoph Metzelder (Archivfoto, September 2017).
Ex-Fußballprofi Christoph Metzelder (Archivfoto, September 2017).
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29. April 2021 - 8:33 Uhr

Bis zu einer Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung

Am Donnerstag startet der Prozess gegen Christoph Metzelder vor dem Düsseldorfer Amtsgericht. Der Ex-Nationalspieler und BVB-Spieler ist wegen Kinderpornografie angeklagt. In dem Strafverfahren geht es darum, dass Metzelder einer anderen Person Besitz an kinderpornographischen Schriften verschafft haben soll. Außerdem geht es um den Vorwurf des Besitzes kinderpornographischer und jugendpornographischer Schriften. Bis zu einer möglichen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Bringt sein Anwalt das Verfahren zu Fall?

Was wird Christoph Metzelder vorgeworfen?

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat am 27. August 2020 Anklage gegen Metzelder erhoben. Juristisch ausgedrückt steht der 40-Jährige vor Gericht, "wegen des Unternehmens, einer anderen Person Besitz an kinderpornografischen Schriften zu verschaffen, in 29 Fällen und Besitzes kinderpornografischer und jugendpornografischer Schriften in einem weiteren Fall". 297 strafbare Dateien soll er auf seinem Handy gehabt haben. 29 Dateien sollen an drei Frauen verschickt worden sein.

Ein Interview mit Staatsanwältin Laura Hollmann im September 2020 sehen Sie im Video.

Wie kam es zu der Kinderpornografie-Anklage?

Metzelder soll einer Bekannten mehrere Kinderpornografische Dateien geschickt haben. Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg habe die 40-Jährige den Ex-Fußballprofi zum Teil auch dazu aufgefordert. Später informierte sie die Polizei. Sie ist die Hauptbelastungszeugin in dem Verfahren, doch auch gegen sie wird ermittelt (siehe unten).

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Was sagt Metzelder zu den Vorwürfen?

Anwalt Ulrich Sommer
Anwalt Ulrich Sommer im RTL-Interview.

Wie passen diese Vorwürfe zum Image des Ex-Profi-Kickers, der für sein soziales Engagement gegen Kinderprostitution das Bundesverdienstkreuz erhielt? Metzelder selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich. Wenige Tage vor Prozessbeginn sagte sein Anwalt Ulrich Sommer im RTL-Interview, Metzelder sei "über sich selbst erschrocken, dass es so etwas wie ein Doppelleben gibt." Es sei um die Suche nach einem sexuellen "Kick" gegangen. "Und irgendwann gibt es diesen Kick auch mit Dingen, die man tunlichst nicht angefasst haben sollte", so der Jurist.

Die Frage, ob seine Mandant pädophil sei, verneinte der Anwalt.

Welche Rolle spielt die Hauptbelastungszeugin?

Die 40-Jährige muss sich selbst in Hamburg vor Gericht verantworten. Gegen die Hamburgerin, die eine Affäre mit Metzelder gehabt haben soll, war ein Strafbefehl in Höhe von 1.000 Euro erlassen worden, gegen den sie Einspruch eingelegt hat. Sie soll sich durch eine positive Kommentierung um den Erhalt der Bilder bemüht und Interesse an ihnen gezeigt haben, sagt der Hamburger Gerichtssprecher Kai Wantzen. Metzelders Anwalt sieht ihr Verhalten kritisch und sagte, "Zurückhaltung sieht anders aus."

Der Hamburger Anwalt der Frau, Leon Kruse, weist dagegen den Vorwurf zurück, seine Mandantin sei keine Provokateurin: "Das Verhalten meiner Mandantin hat mit Provokation nichts zu tun. Metzelder hat das Gespräch auf sexuelle Fantasien mit Minderjährigen gelenkt. Sie hat das Notwendige getan, um Straftaten gegen Kinder zu verhüten. Das verlangt viel Mut." Dazu habe sie vorgespiegelt, sie würde solche Interessen teilen.

Metzelders Anwalt Ulrich Sommer sieht die Sache anders: Lange, bevor sie die Ermittlungen ins Rollen brachte, soll die Hauptbelastungszeugin direkte Kontakte zu Polizisten gehabt haben. Den Hintergrund möchte Sommer im Prozess erfahren. Auch, "was sie mit dem "Bild"-Zeitungs-Reporter besprochen hat, bevor es zu diesen Provokationen kam", würde der Verteidiger gerne wissen. Die "Bild"-Zeitung hatte zuerst über den Fall berichtet. "Und ich habe das Gefühl, das Ende einer solchen Befragung könnte jedenfalls die Andeutung tatsächlich eines Skandals sein, der aber ganz woanders liegt als da, wo die meisten aktuell ihn vermuten." Es sei juristisch von großer Tragweite, ob "nun tatsächlich ein bestimmter Sachverhalt ganz allein bei jemandem entstanden ist, der ihn dann an den Tag gesetzt hat", so Sommer. "Oder ob er provoziert worden ist und, viel wichtiger, unter Mithilfe der Polizei provoziert worden ist." Harter Tobak, der vor Gericht zu klären sein wird.

Wie stehen die Chancen auf eine Verurteilung?

Das ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig offen. Die Staatsanwaltschaft muss in dem Prozess vermutlich ohne die Hauptbelastungszeugin auskommen. Da das Verfahren gegen die Frau in Hamburg noch nicht abgeschlossen sei, könne sie sich im Düsseldorfer Prozess auf ein Aussageverweigerungsrecht berufen.

Laut Metzelders Anwalt Sommer fehlen alle kriminologischen Anhaltspunkte dafür, dass Metzelder pädophil sei. Das wisse auch die Staatsanwaltschaft. "Er hat nichts aus dem Darknet, ist nicht in irgendwelchen Chatgruppen gewesen", so Sommer. Die Bilder, um die es gehe, seien Screenshots frei verfügbarer Bilder.

Der Verteidiger hält auch das Handy Metzelders als Beweismittel für nicht zulässig, sagte er der "Welt am Sonntag". Beamte hatten den Ex-Kicker 2019 im Fußballlehrer-Lehrgang des DFB in Hennef abgepasst und dort auch sein Handy beschlagnahmt. "Einen Durchsuchungsbeschluss hatten die Beamten nur für Düsseldorf, nicht aber für Hennef. Ohne eine richterliche Genehmigung haben sie dort das Zimmer meines Mandanten durchsucht und sein Handy beschlagnahmt."

Den Prozess am Amtsgericht Düsseldorf führt die Richterin Astrid Stammerjohann. Prozessbeobachter beschreiben sie als eigenwillige, resolute, starke Frau und sehr erfahrene Juristin. Stammerjohann habe jahrelang als Haftrichterin gearbeitet und gelte als entscheidungsfreudig und gradlinig. In ihren Urteilen sei sie "knallhart".

Wie geht es Metzelder jetzt?

Christoph Metzelder ist nach Aussage seines Anwalts inzwischen in Therapie.
Christoph Metzelder ist nach Aussage seines Anwalts inzwischen in Therapie.
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Christoph Metzelder ist nach Aussage seines Anwalts inzwischen in Therapie. Dabei gehe es "um Sexualität und Umgang mit Frauen". Um den Vize-Weltmeister von 2002 sei es einsam geworden, zahlreiche freundschaftliche Kontakte seien abgebrochen, berichtet sein Verteidiger.

Metzelder hatte eine eigene Stiftung für Kinder gegründet und sich mit ihr auch für die Bekämpfung von Kindesmissbrauch engagiert. Nach Bekanntwerden der Ermittlungen hatte er Positionen und Ämter ruhen lassen und die von ihm mitgegründete PR-Agentur verlassen. Seine Teilnahme am Fußballlehrer-Lehrgang des DFB hatte er ausgesetzt.

Wie lange dauert der Prozess?

Bislang hat das Amtsgericht drei Termine bis Mitte Mai für den Prozess angesetzt.

Welche Kritik gibt es an dem Verfahren?

Der Prozess findet im Amtsgericht Düsseldorf statt.
Der Prozess findet im Amtsgericht Düsseldorf statt.
© imago images/Michael Gstettenbauer, Michael Gstettenbauer via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Metzelders Verteidiger kritisiert das Verfahren gegen den 40-Jährigen als unfair. "Prominenten-Malus ist noch sehr vorsichtig umschrieben für das, was ihm widerfährt", sagte Sommer. "Das ist schon heftig, was da passiert." Zuvor hatten "WAZ" und "Spiegel" berichtet. Verfahren von weit größerem Ausmaß würden sonst per Strafbefehl beendet, wie Sommer ausführte. Aber in Metzelders Fall komme es zu einem Gerichtsprozess, mit dem dieser an den Pranger gestellt werde. Sein Mandant sei offenbar zum "Spielball höherer Interessen" geworden. Das sehe man auch daran, dass der Rechtsausschuss des Landtags in Düsseldorf die Sache erörtert habe.

Der Entscheidung des Amtsgerichts zum Prozessbeginn im April ging eine monatelange juristische Auseinandersetzung zwischen den Anwälten von Metzelder und den Gerichten voraus. So gab das Oberverwaltungsgericht (OVG) Metzelders Anwälten in Teilen Recht - zuvor hatte es Beschwerden darüber gegeben, dass das Amtsgericht in einer Mitteilung den Namen des prominenten Fußballers genannt hatte. Laut OVG hätte das Amtsgericht nicht mit einer ins Internet gestellten Pressemitteilung informieren dürfen. Zumindest durfte der Inhalt für die Öffentlichkeit mit voller Namensnennung und den Tatvorwürfen nicht abrufbar sein.