Kinderporno-Skandal in Würzburg

Haftbefehl erlassen: Oliver H. war auch Trainer für Kinder

22. März 2019 - 19:55 Uhr

Im Video: Polizeisprecher erklärt die wichtigsten Schritte der Ermittler

Hunderte Bilder und Videos mit kleinen Jungen haben die Ermittler im Würzburger Kinderporno-Skandal sichergestellt – das gesamte Ausmaß des Skandals ist noch nicht zu überblicken. Es sind nicht nur Kinder in anzüglichen Posen zu sehen, die Vorwürfe gehen weiter: Unter dem Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Herstellung und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften wurde gegen den 37-jährigen Logopäden Oliver H. Haftbefehl erlassen. Im Video erklärt Polizeisprecher Björn Schmitt die wichtigsten, nächsten Ermittlungsschritte.

Oliver H. hat Kinder in Würzburger Sportverein trainiert

Der Sprachtherapeut hatte in verschiedenen Einrichtungen Kontakt zu Kindern, unter anderem in der Kindertagesstätte, die sein Lebensgefährte stellvertretend leitet. Bisher schweigt Oliver H. zu den Vorwürfen. "Der Beschuldigte macht keine Angaben", sagte Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern. "Das erleichtert uns die Arbeit nicht." Die Ermittler richteten eine Sonderkommission ein, die in enger Zusammenarbeit mit der Zentralstelle operiert.

Nach RTL-Informationen hatte der Beschuldigte nicht nur in seiner eigenen Praxis und der Kita Kontakt zu jungen Kindern, er war auch in einem großen Würzburger Sportverein als Trainer für Kindergruppen aktiv. Der 37-Jährige soll Kinderpornos, in denen Jungen im Kindergartenalter zu sehen sind, im Darknet verbreitet haben.

Ehemann nach Festnahme wieder frei

21.03.2019, Bayern, Würzburg: "Praxis vorübergehend geschlossen" steht auf einem Zettel am Eingang zur einer Praxis für Logopädie. Der im Würzburger Kinderporno-Fall verhaftete Sprachtherapeut schweigt zu den Vorwürfen. Der Mann soll Kinderpornos, au
Ein Hinweisschild an der Tür zur Logopädie-Praxis des Tatverdächtigen im Würzburger Kinderporno-Fall.
© dpa, Daniel Karmann, dka

Nach Angaben der Polizei missbrauchte und filmte der Beschuldigte ausschließlich Jungs. Es sei "sehr die Frage", ob die Befragung von Kindern Sinn ergebe. Die gezeigten Kinder seien vielleicht in einem Alter, "in dem eine Zeugenbefragung sich nicht unbedingt anbietet, weil man da wohl keine Information in belastbarer Art erlangen kann", sagte Schorr. "Da sind wir wohl eher auf die Mithilfe von Eltern angewiesen." Betroffene Mütter und Väter sind schockiert.

Neben dem Sprachtherapeuten war auch sein Ehemann festgenommen worden. Er kam inzwischen wieder frei, da es bisher keinen dringenden Tatverdacht gegeben hat. Dennoch werde auch gegen ihn weiter ermittelt, sagte Polizeisprecher Björn Schmitt. Der Mann wohnte nach Angaben aus Ermittlerkreisen mit dem Hauptverdächtigen zusammen und nutzte denselben Internetanschluss. Ob er in die Taten einbezogen war oder nichts von den Kinderpornos wusste, werde noch untersucht.