Kinderporno-Ring mit 90.000 Mitgliedern gesprengt

08. Juli 2017 - 13:30 Uhr

Betreiber in Limburg festgenommen

Ermittler haben eine Darknet-Plattform zum Austausch von Kinderpornografie mit fast 90.000 Mitgliedern auffliegen lassen. Betreiber soll ein Mann aus Limburg-Weilburg (Hessen) gewesen sein, teilte die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft mit.

Plattform bestand seit 2016

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main - Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) - und das Bundeskriminalamt haben in den vergangenen fünf Wochen in einem umfangreichen Ermittlungskomplex wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der bandenmäßigen Verbreitung von kinderpornografischen Schriften mehrere mutmaßliche Verantwortliche sowie Mitglieder einer großen kinderpornografischen Darknet-Plattform festgenommen und die Plattform abgeschaltet.

Die als Forum aufgebaute kinderpornographische Plattform mit der Bezeichnung 'ELYSIUM' bestand seit dem Ende des Jahres 2016 und war nur über das sogenannte Darknet zugänglich. Sie verfügte zuletzt über 87.000 Mitglieder und diente dem weltweiten Austausch von Kinderpornografie durch Plattform-Mitglieder sowie der Verabredung zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Unter den von den Mitgliedern der Plattform ausgetauschten kinderpornografischen Bild- und Videodateien waren Aufnahmen schwersten sexuellen Missbrauchs von Kindern, darunter auch von Kleinstkindern und Darstellungen sexueller Gewalthandlungen an Kindern.

Das sogenannte Darknet (Englisch: dunkles Netz) ist ein verborgener Teil im World Wide Web. Es ist über herkömmliche Suchmaschinen nicht zu finden. Notwendig ist eine Verschlüsselungssoftware.

Verdächtigen wird auch schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen

Nach mehrmonatigen aufwendigen Ermittlungen konnte ein 39-Jähriger aus dem Landkreis Limburg-Weilburg als mutmaßlicher Betreiber der kinderpornografischen Plattform identifiziert werden. Der Tatverdächtige soll als Administrator maßgeblich für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur verantwortlich gewesen sein. Der Beschuldigte wurde am 12. Juni 2017 nach einer Durchsuchung seiner Wohnung und Beschlagnahmung des Servers festgenommen. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen. Seit dem 13.Juni 2017 sitzt er wegen des dringenden Tatverdachts der bandenmäßigen Verbreitung von kinderpornographischen Schriften in Untersuchungshaft.

Neben dem Administrator konnten weitere Verantwortliche und Mitglieder der Plattform in Deutschland und im Ausland identifiziert werden, denen neben der Verbreitung von Kinderpornografie zum Teil auch schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen wird. Festnahmen von weiteren dringenden Tatverdächtigen erfolgten vor allem in Deutschland und Österreich.

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