Kinderporno-Plattform "ELYSIUM": Prozess gegen Betreiber hat begonnen

02. August 2018 - 20:47 Uhr

Vier Männer stehen wegen Kinderpornografie in Limburg vor Gericht

Die Abschaltung der riesigen Kinderporno-Plattform "ELYSIUM" ist mehr als ein Jahr her. Seit Donnerstag steht der mutmaßliche Betreiber aus Hessen gemeinsam mit drei weiteren Männern in Limburg vor Gericht. Sie alle sollen zur Führungsriege hinter dem Forum für Kinderpornografie gehört haben. "ELYSIUM" hatte 110.000 registrierte Mitglieder, die jüngsten Missbrauchsopfer waren zwei Jahre alt. Zu Prozessbeginn stellten die Angeklagten teils Geständnisse in Aussicht.

Angeklagte wollen aussagen

Zum Beginn des Prozesses, der voraussichtlich mindestens bis November laufen soll, haben die vier Angeklagten angekündigt auszusagen. Zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag vor dem Landgericht Limburg stellten ihre Verteidiger auch geständige oder teilgeständige Angaben in Aussicht. "Wenn es etwas zu gestehen gibt", sagt der Vorsitzende Richter, dann wäre das Verfahren der geeignete Zeitpunkt dafür. Mit Pausen braucht die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt allein drei Stunden, um die dicke Anklageschrift gegen die Männer im Alter zwischen 40 und 62 Jahren vorzulesen. Die Männer verfolgen die Verlesung äußerlich reglos.

Besonderer Ermittlungserfolg: Betreiber der Darknet-Plattform vor Gericht

Wegen der Verbreitung kinderpornografischer Schriften müssen sich die Männer im Prozess verantworten. Einer der Angeklagten, ein 40-Jähriger aus Bad Camberg (Kreis Limburg-Weilburg), soll für den Betrieb des Servers verantwortlich gewesen sein und Zugriff darauf gehabt haben. Die Anklage geht davon aus, dass er dafür in seinem Unternehmen die Computeranlage zur Verfügung gestellt hatte. 

Dass der mutmaßliche Betreiber der Darknet-Plattform vor Gericht steht, ist ein besonderer Erfolg für die Ermittler: Oft werden bei einem Schlag gegen die Kinderpornografie die Konsumenten von Bildern und Videos sowie die Täter von sexuellem Missbrauch ermittelt. Im Fall von "ELYSIUM" gelang es aber auch, den Betreiber des Kinderporno-Portals zu fassen.

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Wie sind die Betreiber "ELYSIUM" im Darknet auf die Spur gekommen?

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Die Kinderpornografie-Plattform "ELYSIUM" wurde im vergangenen Jahr zerschlagen.
© dpa, Arne Dedert, ade fdt rho

Bei "ELYSIUM" ging es nicht nur um den Austausch von Bildern und Videos. Es wurden auch Verabredungen zum tatsächlichen sexuellen Missbrauch von kleinen Kindern getroffen. "Diese Personen haben sich nicht nur im Darknet getroffen, sondern im richtigen Leben. Das hat die Ermittlungen erleichtert", sagte Andreas May,  Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. 

Bis zur Abschaltung der im Darknet, dem verborgenen Teil des Internets, angebotenen Plattform im Juni 2017 durch das Bundeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main wurden auf der Plattform über 111.000 Mitgliederkonten registriert. Ein Österreicher soll dort sogar seine eigenen Kinder zum Missbrauch angeboten haben.