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Kinderheim in Netphen: Hier wurden Kinder über Jahre psychisch misshandelt

Kinderheim in Netphen: Hier wurden Kinder über Jahre psychisch misshandelt

Einrichtung bleibt vorerst geschlossen

In einem privaten Kinderheim in Nordrhein-Westfalen sind offenbar über Jahre hinweg Kinder misshandelt und gedemütigt worden. Nachdem das zuständige Jugendamt mehrere Hinweise erhalten hatte, wurde das Heim in Netphen bei Siegen vorerst geschlossen. Die dort untergebrachten 22 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren wurden von Bereitschaftspflegefamilien aufgenommen. Zugelassen waren eigentlich nur 16 Plätze.

Missbrauchsvorwürfe gegen die Leiterin eines Kinderheims in Netphen
Die Leiterin eines Kinderheims in Netphen hat offenbar über Jahre hinweg Kinder psychisch missbraucht und gedemütigt.

Die Leiterin des Kinderheims soll ihre Schützlinge über Jahre hinweg mit rigiden Erziehungsmethoden und psychischer Gewalt misshandelt haben. Die Hinweise kamen von Praktikantinnen, die im Kinderheim tätig waren. "Die Vorfälle waren nicht offensichtlich. Und die Betroffenen haben sich offenbar über Jahre niemandem anvertraut", sagte ein Sprecher der zuständigen Kreisverwaltung.

Immer mehr ehemalige Bewohner melden sich

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die 52-jährige Heimleiterin. Es gehe um den Verdacht der Körperverletzung und um andere Delikte, sagte ein Sprecher. Seitdem der Fall öffentlich wurde, melden sich auch immer mehr ehemalige Bewohner, die Ähnliches erlebt haben, bestätigte die Staatsanwaltschaft.

Was genau den Kindern in dem Heim widerfuhr, ist noch nicht bekannt. "Es sind vermutlich viele Personen zu vernehmen. Mehrere Polizeibeamte werden sich mit den Vorfällen beschäftigen", sagte Oberstaatsanwalt Johannes Daheim dem 'WDR'.

Die Anwohner sind entsetzt, über das, was sich in ihrer Nachbarschaft abgespielt haben soll. "Ich finde das schrecklich. Zumal es doch so viele Kontrollen vom Jugendamt gibt", meinte eine Nachbarin. Eine andere hofft, dass am Ende zum Wohle der Kinder entschieden werde.

Bis der Fall geklärt wird, bleiben die Kinder vorerst in der Obhut des Jugendamtes. "Wir waren froh, dass wir sehr viele Bereitschaftspflegefamilien gefunden haben, die bereit waren, zwei oder auch sogar ein drittes Kind aufzunehmen", sagte Pia Cimolino vom Jugendamt in Siegen.