Kinderehen in Deutschland: Dramatische Zahlen - Kinderschutzbund fordert striktes Mindestalter von 18 Jahren

Kinderehen nehmen in Deutschland zu (Symbolbild)
Kinderehen nehmen in Deutschland zu (Symbolbild)

19. August 2016 - 16:29 Uhr

Viele Eheschließungen unter dem Radar der Behörden

In Deutschland werden immer mehr Minderjährige verheiratet. Seit 2015 zählten die Bundesländer laut 'Welt am Sonntag' mehr als 1.000 Fälle. Doch die Dunkelziffer sei noch viel höher. Viele Kinderehen kommen mit der Flüchtlingswelle, aber auch hierzulande werden sie geschlossen – nach Scharia-Recht oder in Roma-Familien. Unter dem Radar der Behörden. Der Kinderschutzbund fordert, das Ehealter grundsätzlich auf 18 Jahre festzulegen.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) vorgehen kündigte die Einrichtung einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe an, die sich ab dem 5. September in Berlin mit den Kinderehen befassen wird. Nach geltendem Recht sollen Ehen in Deutschland nicht vor der Volljährigkeit geschlossen werden, Ausnahmen sind bisher aber ab dem vollendeten 16. Lebensjahr möglich.

Weil Kinderehen oft arrangiert würden, geht es nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann vor allem um das Selbstbestimmungsrecht von Mädchen und jungen Frauen, das unser Staat schützen müsse: "Denn Kinderehen führen bei Mädchen oft zu frühen Schwangerschaften und Schulabbruch. Insbesondere junge Flüchtlinge müssen aufgeklärt werden, welche Rechte sie in Deutschland haben", so Oppermann.

"Ehemündigkeit muss sich ausschließlich nach deutschem Recht richten"

Der Schutz von Kindern müsse absolute Priorität haben. Das müsse auch für minderjährige Flüchtlinge gelten. "Zwangsehen sind in Deutschland strafbar, das ist auch richtig so. Niemand, erst recht nicht ein Kind, darf zur Ehe gezwungen werden."

Der Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Innenausschuss des Bundestages, Armin Schuster, sagte: Der Missbrauch von Minderjährigen und Kindern könne nur unterbunden werden, "wenn sich die Ehemündigkeit ausschließlich nach deutschem Recht richtet. Eine diesbezügliche Gesetzesänderung halte ich für dringend erforderlich."

Denn bisher würden in Deutschland Ehen nach dem Recht des Staates anerkannt, dem die Ehegatten angehörten. Viele Flüchtlinge stammten aber aus Gesellschaften, in denen die Eheschließung mit Minderjährigen und Kindern legal sei. "Dadurch wurden Ehen in Deutschland anerkannt, obwohl sie gegen unser Recht verstoßen."

Der Deutsche Kinderschutzbund forderte ein striktes Mindestheiratsalter von 18 Jahren. "Die Regierung sollte die Ausnahmeregelung im Bürgerlichen Gesetzbuch abschaffen, um die Ehemündigkeit konsequent auf 18 Jahre festzusetzen", sagte dessen Präsident Heinz Hilgers.

"Zudem muss das Strafrecht so geändert werden, dass auch Ehen, die durch eine religiöse oder soziale Zeremonie und nicht vor einem Standesamt geschlossen werden, als Zwangsverheiratung und damit als Straftatbestand erfasst werden können, der mit bis zu fünf Jahren Haft belegt ist", betont Hilgers.