Kitaverbot bei Schnupfen-Nase

Kinderarzt-Verband warnt: Im Herbst droht Eltern der Kollaps

13. Juli 2020 - 14:47 Uhr

Corona-Maßnahme sorgt für hitzige Diskussionen

Kaum hatten die Kitas bundesweit für alle Kinder wieder offen, saßen die ersten schon wieder zu Hause. Der Grund: In den meisten Bundesländern dürfen die Einrichtungen die Kleinen auch bei leichten Erkältungssymptomen nicht betreuen. Die Corona-Maßnahme sorgt in ganz Deutschland für hitzige Diskussionen. Jetzt warnt der Landesverband der Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein-Westfalen: Werden die Krankheits-Kriterien nicht angepasst, droht neben der Überlastung der Praxen auch ein Kollaps der Eltern im Herbst.

Für wie viel Stress und Verunsicherung das Betreuungsverbot bei Krankheit sorgt, sehen Sie im Video.

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NRW-Familienministerium: "Kinder dürfen generell nicht betreut werden, wenn sie Krankheitssymptome aufweisen"

In einer "Handreichung für die Kindertagesbetreuung" des NRW-Familienministeriums heißt es aktuell: "Kinder dürfen generell nicht betreut werden, wenn sie Krankheitssymptome aufweisen. Die Art und Ausprägung der Krankheitssymptome sind dabei unerheblich."

Diese Vorgaben sind dem Verband der Kinder- und Jugendärzte zu schwammig: Er habe das Robert Koch-Institut gebeten, "Krankheitskriterien, die ein Fernbleiben von der Kita auslösen, risikoangepasst und umsetzbar zu präzisieren", erklärt der Sprecher des Landesverbands Nordrhein, Edwin Ackermann, der Deutschen Presse-Agentur.

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Eltern-Kollaps im Herbst möglich

Sollte die Regelung nicht angepasst werden, wird das "im Herbst zu einem Kollaps der Eltern und unsäglichen Praxisorganisationsproblemen führen", warnte der Kinderarzt aus Tönisvorst. "Kinder werden völlig sinnlos laufend aus der Betreuung heraus genommen." Ähnlich äußerte sich die SPD.

Ackermann stellt fest: "Im derzeitigen Praxisalltag erleben wir Kinder- und Jugendärzte teilweise groteske Veranlassungen für Kita-Verbote - zum Beispiel Mückenstiche, laufende Nasen bei bekannter Gräserpollenallergie, Husten bei bekanntem und gut eingestelltem Asthma bronchiale, juckende Hautausschläge durch Schwitzen bei bekannter Neurodermitis."

Dabei sei den Erzieherinnen kein Vorwurf zu machen, da sie letztlich selbst keinen Spielraum hätten und nicht abschätzen könnten, ob das betreffende Kind nun relevant krank sei oder nicht. Das unterstreicht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

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Mehrtägiges Kita-Verbot wegen „banalem Schnupfen“

Zwar reicht es, wenn die Eltern selbst schriftlich versichern, dass die Kinder seit 48 Stunden symptomfrei sind. Das helfe den Eltern aber kaum und belaste die Praxen trotzdem übermäßig, so Ackermann. "Ein Elternteil muss jetzt wegen der laufenden Nase der Arbeit fern bleiben, benötigt dafür einen 'Arbeitsunfähigkeitsschein Kind' und muss deshalb eine Arztpraxis aufsuchen."

Im Ergebnis bedeute das: "Ein banaler Schnupfen führt zu einem mehrtägigen Kita-Verbot und das betreffende Kind erlebt keine konstante, sondern eine ständig unterbrochene Betreuung in der Kita."

Landesverband allein erziehender Mütter und Väter: Eltern werden alleine gelassen

Nicola Stroop, Vorstand beim Landesverband allein erziehender Mütter und Väter kritisiert:  "Das ist ein massiver Eingriff und lässt die Eltern damit alleine, eine individuelle Lösung zu finden - sei es durch Urlaub, Minusstunden oder private Betreuungssettings."

Kinderarzt Ackermann pflichtet bei: Die gesetzlichen Betreuungstage für erkrankte Kinder reichten bei weitem nicht aus und seien von vielen Eltern zu Beginn der Corona-Krise bereits aufgebraucht worden. "Stress mit den Arbeitgebern ist dadurch vorprogrammiert."

Familienministerium plant keine neuen Corona-Regeln

Trotz der Forderung nach mehr Kinderkrankentagen und mehr Corona-Tests plant das Familienministerium vorerst allerdings keine Neuregelungen. Die derzeitigen Empfehlungen zum Umgang mit kranken Kitakindern gälten zunächst bis Ende August, teilte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Umsetzung der Empfehlungen obliege den Trägern und Leitern der Kitas sowie Kindertagespflegestellen vor Ort.

Quelle: DPA/RTL.de

Studie belegt: Corona-Krise schadet der Psyche unserer Kinder

Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) bestätigt, was viele Eltern befürchtet haben: Die Corona-Krise hat drastischen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden unserer Kinder. Mehr dazu erfahren Sie im Video.