Kinderärzten reichen neue Maßnahmen gegen Masern nicht

Kinderärzten reichen neue Maßnahmen gegen Masern nicht
Wird zu wenif gegen Masern getan?
dpa, Jens Kalaene

Ärzteverband fordert Impfpflicht für Kitas und Schulen

Den Kinder- und Jugendärzten reichen die Pläne von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für einen besseren Impfschutz bei Kindern nicht aus. Schon heute könnten Personen ohne ausreichenden Impfschutz vom Kita- oder Schulbesuch ausgeschlossen werden, teilte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln mit.

Neu sei nur, dass Eltern vor der Erstaufnahme ihrer Kinder in Kita oder Schule schriftlich eine ärztliche Beratung über den Impfschutz nachweisen müssten. Fehlt dieser Nachweis, könnten künftig Bußgelder fällig werden.

Der Ärzteverband fordert eine Impfpflicht für jeden, der in überwiegend öffentlich finanzierten Einrichtungen wie Kita, Kindergarten oder Schule aufgenommen wird oder dort Kinder betreut. Das gelte ebenfalls für Berufstätige im Gesundheitswesen oder Betreuer in Sportvereinen. Von Sanktionen gegen Eltern halten die Kinderärzte nichts. "Wenn wir überhaupt von Sanktionen sprechen, dann gegen Ärztinnen und Ärzte, die vom Impfen abraten und Eltern verunsichern", sagte BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann laut Mitteilung.

Keine Masern-Entwarnung für Berlin

Derweil gibt es trotz rückläufiger Masern-Fälle in Berlin noch keine Entwarnung. "Es ist weiterhin Vorsicht geboten", sagte Silvia Kostner vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). In dieser Woche treffen sich in Berlin Experten zur 4. Nationalen Impfkonferenz. Sie wollen unter anderem darüber beraten, wie die Krankheit ausgerottet werden kann.

Seit dem Masern-Ausbruch in Berlin im Oktober 2014 sind 1.286 Menschen erkrankt. Wöchentlich kommen immer noch mehr als zehn neue Fälle hinzu. Das ist deutlich weniger als zu Spitzenzeiten des Ausbruchs, aber dem Landesamt zufolge mehr als der Nationale Impfplan der Länder vorsieht. Dort ist das Leitziel von weniger als einem Fall je einer Million Einwohner pro Jahr festgeschrieben.

In Brandenburg sind in diesem Jahr 95 Menschen an Masern erkrankt. "Die Masern können ausgerottet werden. Dieses Ziel erreichen wir aber nur mit höheren Durchimpfungsraten in der Bevölkerung", sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke). Auf der Konferenz solle ein Aktionsplan vorgestellt werden, der wichtige Voraussetzungen dafür schaffe. Berlin und Brandenburg richten die von Donnerstag bis Freitag dauernde Veranstaltung gemeinsam aus.