Kinder werden immer dicker: WHO fordert Einschränkung von Werbung für Süßigkeiten

30. Dezember 2017 - 11:02 Uhr

Vor allem Jungen essen zu viel Fettiges und Süßes

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt: Zu viele Kinder in Deutschland sind zu dick - und es trifft besonders Jungen. Mehr als jeder zehnte hierzulande gilt als fettleibig. Die Gründe sind klar: Zu viel Süßes und Fett, außerdem zu wenig Bewegung. Sie fordert daher, vor allem Werbung für Süßwaren, Chips und Fastfood stärker einzuschränken.

Auch Familien sind schuld daran, dass Kinder immer dicker werden

Die Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen hat in Deutschland alarmierende Ausmaße angenommen. Das Problem muss nach Auffassung einer Expertin der WHO rigoroser bekämpft werden. Vor allem die Werbung für Süßwaren, Junk-Food oder Bier müsse stärker eingeschränkt werden. "Es reicht nicht, bei Werbung auf eine freiwillige Selbstkontrolle durch die Hersteller von Junk Food zu setzen", sagte die Ernährungswissenschaftlerin Juana Willumsen, WHO-Expertin für Fettleibigkeit bei Kindern. "Die Werbung muss klar reguliert sein, die Einhaltung muss überwacht werden und es muss Strafen bei Verstößen geben."

Aber auch Eltern müssten endlich umdenken und ihre Vorbildfunktion stärker wahrnehmen. "Eltern sind das Modell. Wenn Eltern Obst essen, essen auch Kinder Obst. Für Kinder sind in den ersten sechs Jahren die Eltern die Vorbilder, nicht die Werbung.", sagt Kinderarzt Dr. Martin Karsten
im Interview mit RTL (siehe Video).

Es geht darum, Kinder vor hohem Süßigkeitenkonsum zu schützen

Die WHO empfiehlt mehr Schulsport sowie eine Stadt- und Verkehrsplanung, die Laufen, Fahrradfahren und sportliche Freizeitbeschäftigung fördert. Schulkinder hätten laut Statistik in Deutschland 2014 weniger Obst und Gemüse gegessen als 2002. Der Softdrink-Konsum sei zwischen 2002 und 2006 gesunken, steige aber wieder.

Auch nach Ansicht der Verbraucherorganisation Foodwatch trägt die Lebensmittelindustrie eine Mitverantwortung für Übergewicht und Fehlernährung bei Kindern, da sie fast ausschließlich unausgewogene Produkte für Kinder vermarkte, etwa Süßigkeiten oder salzig-fettige Snacks. "Damit muss Schluss sein", sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler. "Es geht nicht darum, Süßigkeiten zu verbieten, sondern darum, Kinder vor den Übergriffen der Industrie zu schützen." Dafür spricht unter anderem, dass etwa in Frankreich nur 8,9 Prozent der Jungen fettleibig sind - das Land setzt konsequent auf Warnhinweise.