Experten ordnen ein

Vorerst keine Corona-Impfung für Kinder - ist das ein Problem?

30. November 2020 - 20:07 Uhr

Kinder sollen erst mal nicht gegen das Coronavirus geimpft werden

Schon im Dezember soll es mit den ersten Impfungen gegen das Coronavirus losgehen. Erst Risikogruppen und medizinisches Personal, dann andere Berufsgruppen und dann der Rest der Bevölkerung. Kinder sollen vorerst gar nicht geimpft werden. Nur, woran liegt das? Und könnte das nicht zum Problem werden, wenn Kitas und Schulen offen bleiben und ausgerechnet die Gruppe, die mit den meisten Menschen zusammensitzt, nicht geimpft wird? Im Video erklärt Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, was er von dieser Entscheidung hält.

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Warum werden Kinder erst mal nicht geimpft?

"Beim Impfen, wie auch bei anderen Medikamenten, geht es immer um ein Abwägen zwischen Nutzen und Risiko", erklärt RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht im Interview. Risikogruppen und älteren Menschen drohen bei einer Erkrankung an Covid-19 teils schwere Verläufe, im schlimmsten Fall können sie daran sterben. Darum werden diese frühzeitig geimpft.

Auch medizinisches Personal soll als Erstes geimpft werden, da dieses in Kontakt mit am Coronavirus erkrankten Menschen steht und damit vermutlich auch viel zur Verbreitung beiträgt.

"Bei Kindern hingegen weiß man, dass sie sehr wahrscheinlich nicht an Corona sterben", so Dr. Specht weiter. "Zwar gibt es Einzelfälle, aber der Durchschnitt der Kinder merkt nichts von einer Corona-Infektion, d. h. das Risiko, das mit einer Impfung verbunden wäre, könnte größer sein als das Risiko der Erkrankung."

Hinzu kommt noch ein anderer Grund: Impfstoffe werden immer erst an Erwachsenen erprobt. Erst wenn es hier Ergebnisse aus Studien gibt, wird der Wirkstoff an Kindern getestet. Das bedeute nicht, dass Kinder die Impfung nicht gut vertragen werden, aber ganz genau weiß man es nicht, erklärt Dr. Specht.

Könnte die fehlende Corona-Impfung bei Kindern zum Problem werden?

Hierfür lohnt sich ein Blick in die USA: Bei den US-Amerikanern werden Kinder – anders als bei uns – jedes Jahr gegen die Grippe geimpft. Die Idee dahinter: Für Kinder ist die Grippe zwar nicht in dem Maße gefährlich wie für ältere Menschen, allerdings können Kinder die Grippe verbreiten.

"Das könnte auch bei dem Coronavirus gelten, wir wissen es aber nicht", sagt Dr. Specht. Was wir wissen, ist, dass sich Kinder mit dem Coronavirus infizieren können, sie erkranken aber meist nicht. Wie sehr Kinder an der Verteilung von Corona in der Bevölkerung beteiligt sind, bleibt eine weiterhin offene Frage. Darum ist die Idee beim Impffahrplan zunächst: Ältere Menschen und Risikogruppen zu impfen, damit diese geschützt sind. Dann können Kinder erkranken, ohne wirklich jemanden zu gefährden.

Ab wann könnten Kinder gegen Corona geimpft werden?

Erst mal werden Kinder voraussichtlich gar nicht geimpft. Wann genau sie dran sind, kann man nicht zuverlässig sagen, da es noch keine Studien gibt. Dr. Specht geht davon aus, dass Kinder frühestens in einem Jahr geimpft werden.

"Das ist aber gar nicht dramatisch, denn bei Kindern passiert ja nichts", erklärt er. Der Allgemeinmediziner geht eher davon aus, dass Kinder sich im Laufe der Zeit mit dem Coronavirus anstecken, man das aber kaum mitbekommt. In der Bevölkerung wird sich dann voraussichtlich eine Mischung aus Impfung und natürlicher Immunität einstellen. "Kinder haben die besten Karten, um die mache ich mir überhaupt keine Sorgen."

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