Kinder müssen auf ihren Sankt-Martins-Umzug verzichten – damit Pegida in Fürth demonstrieren kann

© dpa, Britta Pedersen

12. November 2016 - 15:29 Uhr

"Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Ross, das trug ihn fort geschwind" – anstatt dieses hübschen Kinderliedes werden die Menschen in der Altstadt in Fürth am heutigen Abend Parolen wie "Merkel muss weg" und "Lügenpresse" zu hören bekommen. Statt bunter Laternen werden sie Protestplakate und allerlei rechte Symbolik zu sehen bekommen, wie es im Umfeld von Pegida-Auftrieben so üblich ist. Das ist die Folge einer Entscheidung der Stadt, die die rechte Demonstration genehmigt und in die Altstadt verlegt hat.

Diese Entscheidung war vermutlich gut gemeint, so die Webseite 'nordbayern.de' (dahinter stehen regionale Tageszeitungen wie Nürnberger Nachrichten, Nürnberger Zeitung, Fürther Nachrichten). Die Stadt habe den Anwohnern des Bahnhofsplatzes die Begleiterscheinungen eines weiteren Pegida-Aufmarsches, dem Bericht zufolge des vierten binnen weniger Monate, ersparen wollen und daher den Marschweg geändert. Ärgerlicherweise hat sich das zuständige Ordnungsamt vor dieser Entscheidung nicht mit dem Straßenverkehrsamt abgestimmt - dort waren diverse Martins-Umzüge von Kindergärten und Krippen schon vor geraumer Zeit angemeldet gewesen, heißt es weiter.

Empörung und Unverständnis: "Sankt Martin würde sich im Grabe umdrehen"

Weil krakeelende Pegida-Anhänger, Gegendemonstranten und ein Polizei-Großaufgebot mit Einsatzwagen als Umfeld eines Laternenumzuges von Kindern, Eltern und Erziehern unpassend erscheint, wurden nun einige der Züge um eine Woche verlegt oder abgesagt. Die Organisatoren machen allerdings kein Hehl aus ihrem Unverständnis und ihrer Enttäuschung über das ungeschickte Vorgehen der Stadt. "Kinder mit Laternen müssen Erwachsenen mit Plakaten weichen", sagte Kinderkrippen-Leiterin Daniela Bär 'nordbayern.de'. Sie ärgert sich besonders darüber, dass die Pegida-Veranstaltung unter dem Motto "Sankt Martin und seine heutige Bedeutung" steht. Was Pegida damit zu tun haben will, kann sie nicht erkennen. "Unsere Kinder bereiten sich schon seit Wochen vor, sie wissen, um was es geht: ums Teilen, um Solidarität", so die Erzieherin.

Auch die kirchliche Einrichtung 'Storchennest' findet deutliche Worte: "Wir werden von Rechtspopulisten verdrängt, welche für Abgrenzung und Ausländerfeindlichkeit stehen. Sankt Martin würde sich im Grabe umdrehen", heißt es in einem Schreiben an die 'Fürther Nachrichten'. Der Fürther Dekan Jörg Sichelstiel findet, die Stadt hätte wenigstens versuchen sollen, den Pegida-Marsch abzusagen und notfalls eine Gerichtsentscheidung herbeiführen lassen. Die Stadt verweist auf den starken Schutz der Versammlungsfreiheit und argumentiert, dass Kundgebungen nicht ohne maßgeblichen Grund verboten oder in entlegene Gegenden verbannt werden könnten.