Kim verspottet Trump – und bereitet Angriff auf Guam vor

© dpa, Wong Maye-E, WM CD pat

10. August 2017 - 9:30 Uhr

Donald Trump droht mit "Feuer und Wut" und dem US-Atom-Waffenarsenal. Doch Pjöngjang zeigt sich unbeeindruckt und legt sogar noch nach: Ein sachlicher Dialog mit "diesem Typen" sei unmöglich, der Einsatzplan für einen Raketenangriff auf US-Territorium fast fertig.

Trump drohte wohl unüberlegt

Trump verkenne offensichtlich den Ernst der Lage und der jüngsten Warnungen aus Pjöngjang. Dem nordkoreanischen Militär gehe das "ziemlich auf die Nerven", heißt es in einer Stellungnahme der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Zuvor hatte Trump Nordkorea offen wie noch kein US-Präsident militärisch gedroht: "Nordkorea sollte besser keine weiteren Drohungen gegen die USA ausstoßen. Ihnen wird mit Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat."

Nordkorea reagierte darauf trotzdem mit der Drohung, mehrere Raketen auf Guam abzufeuern. Auf der von 160.000 Menschen bewohnten US-Pazifikinsel befindet sich ein strategisch wichtiger Stützpunkt des amerikanischen Militärs. Bis Mitte August seien die Angriffspläne fertig und dann werde Präsident Kim Jong Un über das weitere Vorgehen entscheiden.

Wie bedrohlich die Lage tatsächlich ist, sehen Sie im Video.

Drastische Drohungen

Nach Informationen der 'New York Times' hatte Trump seine weltweit beachteten "Feuer und Wut"-Äußerungen nicht vorher mit seinem Stab abgesprochen. Der Präsident habe spontan auf eine Reporterfrage reagiert, berichtet die Zeitung. Sie stützt sich dabei auf Aussagen von Beratern Trumps.

US-Außenminister Rex Tillerson hatte sich danach mäßigend geäußert. Er sagte, er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe, die Amerikaner könnten ruhig schlafen. Trump habe nur die nordkoreanische Rhetorik in gleicher Sprache beantworten wollen.

Verteidigungsminister James Mattis dagegen richtete eine erneute Warnung an Pjöngjang: "Die Demokratische Volksrepublik sollte jeden Gedanken an Handlungen aufgeben, die zum Ende ihres Regimes und zur Vernichtung ihres Volkes führen würden."

Auch Südkoreas Streitkräfte reagierten mit einer Drohung: Man sei darauf vorbereitet, die "Provokationen" Nordkoreas umgehend zu kontern.

China ruft zur Vernunft auf

Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua kritisierte den verbalen Schlagabtausch zwischen den USA und Nordkorea scharf. In einem Kommentar hieß es, ohne eine "Rückkehr zur Vernunft" werde "alles noch schlimmer". Nordkorea sollte sein Atom- und Raketenprogramm einstellen, während die USA und Südkorea ihre Militärmanöver aussetzen, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Gabriel warnt vor Atomkrieg

Auch Außenminister Sigmar Gabriel hat die scharfen Drohungen von US-Präsident Trump deutlich kritisiert und vor einem Atomkrieg gewarnt. Diese Äußerung habe zurecht viele Menschen erschreckt. Man dürfe auf nordkoreanische Drohungen nicht "mit der gleichen aggressiven Rhetorik" reagieren und damit die Eskalationsschraube immer weiter drehen.