Kiffen, Koksen, Saufen – und, nicht oder: Ab ins Mischkoma

26. September 2015 - 13:38 Uhr

Nichtabschätzbare Wechselwirkungen

"Booze and pills and powders, you can choose your medicine" ("Schnaps, Pillen, Pulver, du kannst dir die Medizin aussuchen"), sang Keith Richards einst. Und er sollte es wissen, der Rolling-Stones-Gitarrist hat alles genommen und alles überlebt, bildet damit aber die Ausnahme. Was das knochige Rock 'N' Roll-Urgestein zur Legende gemacht hat, hätte ihn eigentlich schon lange ins Grab bringen müssen.

Kiffen, Koksen, Saufen – und, nicht oder: Ab ins Mischkoma
Alkohol zum locker werden, dann was anderes hinterher (Symbolbild)
© MEV

Dieser über jegliches vernünftige Maß hinaus glorifizierte Rockstar-Lifestyle ist der neue Trend unter den Jugendlichen, ein ganz normaler Freizeitspaß. Sie begnügen sich nicht damit, sich mit Alkohol oder Kokain oder synthetischen Drogen in den Rausch zu katapultieren, sondern sie setzen auf die Kombination. Das Problem dabei ist, dass eine Wechselwirkung entsteht, die Substanzen beeinflussen sich untereinander, sie potenzieren den Rausch. Gleichzeitig gehen dabei aber das Gefühl und das Bewusstsein dafür verloren, welcher Stoff welche Wirkung entfacht.

Kein Bewusstsein für Grenzen

Diesen Effekt des Mischrausches unterschätzen viele, das kann fatale Konsequenzen haben. Das Bewusstsein für Grenzen verschwimmt, die Wirkung der ersten Droge dient häufig dazu, die zweite hinterherzuschmeißen. Eine Alarmglocke nach der andern wird außer Gefecht gesetzt, oder wie eine Jugendliche sagt: "Alkohol mindert deine Hemmschwelle, du bist gut drauf. Bist versuchter, etwas anderes auszuprobieren, vielleicht nochmal einen anderen Kick zu bekommen, ich glaube, dass es deshalb viele machen."

Der Suchtmediziner Dr. Benedikt Bloching sagt zu der Problematik: "Gefährlich macht den Mischkonsum, dass er nicht mehr abschätzbar ist. Die Wechselwirkung ist nicht mehr erkennbar, weil ich, wenn ich Alkohol und Amphetamine oder Kokain zu mir nehme, die Wirkung des Alkohols nicht mehr merke. Aber auch die andere Drogenwirkung als solche nicht mehr richtig wahrnehme."

Falls das eigene Kind gefährdet ist oder schon Erfahrungen mit Mischkonsum gemacht hat, raten Experten dazu, zusammen eine Suchtberatung aufzusuchen. Möglich sind danach ambulante oder stationäre Therapien. Denn im schlimmsten Fall kann Mischkonsum bis zum Tod führen, denn die wenigsten kommen so billig davon wie Keith Richards.