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Kieron-Marcel (†2) qualvoll neben seiner toten Mutter verdurstet – Sozialarbeiter ist mitschuldig

Kieron-Marcel (†2) qualvoll neben seiner toten Mutter verdurstet – Sozialarbeiter ist mitschuldig

Urteil in Leipzig
Kurz vor der Urteilsverkündung: Der Angeklagte Sozialarbeiter versteckt sich hinter einem Regenschirm.

Urteil in Leipzig

Es muss ein unfassbar qualvoller Tod gewesen sein: Der kleine Kieron-Marcel verdurstete 2012 in einer Leipziger Wohnung neben seiner toten Mutter Christin F. – sie war an einer Überdosis gestorben. Das Kind rief um Hilfe, aber die Nachbarn reagierten nicht. Auch das Jugendamt hätte einschreiten müssen, denn der Betreuer der Mutter wusste von den Problemen. Jetzt wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der Sozialarbeiter muss nach dem tragischen Tod einer jungen Mutter und ihres kleinen Sohnes im Juni 2012 3.600 Euro Geldstrafe zahlen. Das Amtsgericht Leipzig sprach den Mann der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen schuldig. Er trage eine Mitschuld am Tod des kleinen Kieron-Marcel, sagte die Richterin Elke Kniehase.

Als Betreuer der Mutter habe er von deren langjähriger Drogensucht gewusst, aber nicht genug unternommen, um das Wohl des fast zweijährigen Jungen zu schützen. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die 26-Jährige starb an einer Überdosis, das Kind verdurstete und verhungerte qualvoll neben der Leiche seiner Mutter.

Richterin Kniehase folgte mit ihrem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger des Sozialarbeiters hatte einen Freispruch verlangt. Der Mann selbst hatte zu Beginn des Prozesses im Januar eine Verantwortung für den Tod des Jungen zurückgewiesen.

Tumulte in Gerichtssaal

Natürlich sei in erster Linie die drogensüchtige Mutter schuld an der Tragödie, sagte Kniehase. Der Sozialarbeiter, der von Kollegen als engagiert und kompetent geschildert wurde, sei aber aufgrund seines Berufes mit in der Verantwortung für Kieron-Marcel gewesen. Zudem habe er viel Erfahrung mit Drogensüchtigen gehabt. "Die besondere Problematik - jederzeit mögliche Rückfälle - musste Ihnen zu jeder Zeit klar sein", sagte die Richterin zum Angeklagten. Der Anwalt des Sozialarbeiters ließ offen, ob er gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen wird.

Der Prozess vor dem Leipziger Amtsgericht war am Morgen der Urteilsverkündung von einem Tumult überschattet worden. Mehr als 30 Kollegen des Mannes hatten den Prozess als Zuschauer verfolgt. Sie trugen rote Aufkleber mit der Aufschrift "Sozialarbeiter/in" als Zeichen der Solidarität. Eine Gruppe von ihnen versuchte den Angeklagten vor Pressefotografen und Kameraleuten abzuschirmen. Dabei kam es auf dem Gerichtsflur und im Verhandlungssaal zu Handgreiflichkeiten.

Die Richterin ordnete daraufhin an, dass alle Beteiligten den Verhandlungssaal verlassen müssen. Es wurde Sicherheits- und Wachpersonal angefordert. Nach einer kurzen Pause ging die Verhandlung weiter.