Wir klären mit Virologen über Corona-Mythen auf.

Sind Mundschutzmasken gefährlich, weil sich CO2 unter ihnen ansammelt?

MERS coronavirus, illustration Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV) particles (virions), computer il
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22. Dezember 2020 - 12:58 Uhr

Schluss mit den Corona-Fake-News

Weihnachten rückt immer näher und vielleicht gibt es auch in Ihrem Familien- oder Freundeskreis Menschen, die Corona immer noch nicht so ganz ernst nehmen oder sogar gängigen Falschmeldungen glauben. Damit es unterm Weihnachtsbaum nicht zu endlosen Diskussionen kommt, klären wir zusammen mit Virologe Prof. Helmut Fickenscher aus Kiel über ein paar der häufigsten Corona-Lügen auf.

„Es sterben mehr Menschen an Grippe als an Corona.“

Diese Aussage ist falsch. Alle drei Minuten kostet das Coronavirus in Deutschland ein Menschenleben. Seit Beginn der Pandemie gibt es schon mehr als 26.000 Corona-Todesfälle. Virologe Prof. Helmut Fickenscher meint: "An einer normalen Grippesaison versterben in Deutschland in der normalen Größenordnung etwa 10.000 Personen, [...] das ist viel weniger, als wir derzeit in Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie beobachten." Außerdem ist das Coronavirus auch deutlich ansteckender als die Grippe.

„Schnelltests sind sinnlos, denn sie reagieren auch auf Cola, Rotwein und Apfelmus.“

Seit eineinhalb Wochen macht ein Video von FPÖ-Politiker Michael Schnedlitz, der im österreichischen Parlament einen Antigen-Schnelltest mit Cola durchführt, die Runde. Er sagt im Video, nachdem das Testergebnis positiv ausfällt: "Herr Präsident, wir dürften jetzt ein Problem haben, weil wir haben einen positiven Corona-Test im Parlament." Laut Schnedlitz positiv, aber absolut irrelevant. Der Test verfärbt sich wegen der Säure in der Cola, nicht wegen des Coronavirus. Solche Experimente sagen nichts über die Zuverlässigkeit der Tests aus. Schnelltests sind für Menschen gemacht, die schnell sichergehen wollen. Haben die ein positives Ergebnis, wird das hinterher immer durch einen sichereren PCR-Test überprüft.

„Coronaviren gibt es schon immer.“

Das ist richtig aber nicht SARS-CoV-2 – die neue Variante des Coronavirus. Prof. Helmut Fickenscher erklärt: "Im Tierreich, wie beim Menschen gibt es viele unterschiedliche Viren, auch bei den Coronaviren gibt es eine deutliche Vielfalt. Beim Menschen existieren vier Viren, die zu den herkömmlichen Schnupfen, wie auch Durchfallviren, gehören und die haben letztendlich mit diesem neuen Corona-Virus nichts zu tun, was wesentlich gefährlicher ist und eben auch eine große Menge an Todesfällen hervorruft."

„Mundschutzmasken sind gefährlich, da sich unter ihnen CO2 ansammelt.“

Diese Behauptung ist schlichtweg falsch. CO2 ist ein Gas und bleibt nicht im Stoff hängen, wie unser Virologe erklärt: "Die Gefährlichkeit von Masken wurde in unterschiedlichen Zusammenhängen diskutiert. Bei auch schwer lungenkranken Patienten spielt es im Allgemeinen keine Rolle. Es sind nur sehr wenige Menschen, die auf eine Maske mit Ventil angewiesen sind und auch bei Kindern wurde es diskutiert und auch dort hat man keine Beeinträchtigung der Lungenfunktion gefunden."

„Corona-Tote sind nicht AN, sondern MIT Corona gestorben.“

Prof. Helmut Fickenscher: "Die Gesundheitsämter ermitteln in jedem einzelnen Fall, welche Kategorie denn am ehesten zutreffend ist und bei der weit überwiegenden Anzahl der mit einem Coronavirus-Nachweis verstorbenen Personen ist diese Zuordnung zu AM Virus zutreffend. Natürlich gibt es einzelne Fälle, wo es unklar ist, aber daraus kann man nicht ableiten, dass dieses Virus harmlos sei." Und dennoch verharmlosen manche das Virus auch bei uns im Norden teilweise immer noch.

Damit die Diskussion unterm Weihnachtsbaum nicht eskaliert, hier ein paar Tipps:

Sprechen Sie unter vier Augen miteinander. Benutzen Sie lieber ein Argument als viele. Fragen Sie nach: Woher kommen die Falschinformationen? Klären Sie diese auf. Und zeigen Sie Verständnis, denn manche glauben vorschnell, was im Internet verbreitet wird und kennen die Fakten nicht.

Dann wird das Weihnachten 2020 zwar ein Fest mit Abstand, bei dem man sich aber zumindest gedanklich wieder näher kommt.