Nach tragischem Unfall in Kiel

Fahnenmast erschlägt Auszubildende: Rathaus-Mitarbeiter unter Schock

Blumen liegen am Unfallort
© dpa, Wolfgang Schmidt, wsz htf

06. August 2020 - 10:04 Uhr

"Wir stehen unter Schock - das kann man nicht anders sagen"

Einen Tag nach dem tödlichen Unglück vor dem Kieler Rathaus ist die Trauer und der Schock noch immer groß. Ein LKW rammte am Montagnachmittag einen Fahnenmast, dieser fiel auf eine Gruppe Auszubildender und erschlug eine 23-Jährige. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und weitere Angestellte mussten das Unglück mit ansehen.

Aktuell versuchen alle im Rathaus gemeinsam den Tag nach der Katastrophe zu überstehen, erzählt uns Kerstin Graupner, Pressesprecherin der Stadt Kiel:

"Heute morgen um 9 Uhr sind alle 50 Auszubildenden zusammen gekommen. Bürgermeisterin Renate Treutel hat eine Trauerrede gehalten. Auch der Oberbürgermeister war anwesend, da er aber gestern ebenfalls Zeuge wurde, steht er aktuell selbst noch unter Schock. Ein Seelsorge-Team der Malteser ist für alle Beteiligten da."

Auszubildende wollen gemeinsam das Erlebte verarbeiten

Die für heute geplanten Feierlichkeiten wurden abgesagt. "Die Auszubildenden sollten selber entscheiden, wie sie den Tag heute verbringen. Der Wunsch war, viel zu sprechen und gemeinsame Zeit zu haben. Auch das geplante Ausbildungsprogramm wird erst dann beginnen, wenn die Auszubildenden so weit sind", berichtet Graupner hörbar betroffen.  Man müsse versuchen, den Betrieb des Rathauses irgendwie aufrecht zu erhalten. Jeder habe aber die Möglichkeit, sich zurück zu ziehen und die Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Auch ein Angebot an die Familie der 23-Jährigen bestehe, sich jederzeit mit dem Oberbürgermeister in Verbindung zu setzen.

Tödliches Versehen: LKW fuhr rückwärts und knickte den Fahnenmast ab

Zurzeit werden Bauarbeiten am Kieler Rathaus durchgeführt. Ein Lastwagen mit Baumaterial fuhr am Montagnachmittag genau in dem Moment gegen einen Fahnenmast, als sich die neuen, städtischen Auszubildenden der Stadt für ein Gruppenfoto vor dem Rathaus versammelten. Als der Mast auf die Gruppe fiel, konnte die 23-Jährige als einzige nicht rechtzeitig zur Seite springen. Zwar sollen die Rettungskräfte extrem schnell vor Ort gewesen sein, jedoch kam jede Hilfe für die junge Frau zu spät. Sie verstarb noch am Unfallort. Die Fahnen vor dem Rathaus hängen auf Halbmast.