Kevin-Prince Boateng fordert Video-Beweis gegen rassistische Schreier: "Würde der Menschheit weiterhelfen"

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13. Oktober 2017 - 12:07 Uhr

Boateng ein Vorkämpfer gegen Rassisimus

Kevin-Prince Boateng hat den rassistischen Schreihälsen in den Fußballstadien den Kampf angesagt und für solche Vorfälle den Videobeweis gefordert. "Wir schreiben das Jahr 2017 und haben immer noch keinen Weg gefunden, dagegen vorzugehen", kritisierte der ehemalige deutsche Jugendnationalspieler im 'Focus'.

'Rassisten-Beweis' wichtiger als Torlinien-Technik

"Wir haben Torlinien-Technik und den Videobeweis, dass Boateng im Abseits stand und der Elfer nicht gegeben wurde. Aber warum setzen wir nicht die Technik ein, dass jeder rassistische Schreier identifiziert, rausgeschmissen wird und nie wieder zurück ins Stadion darf?", sagte der 30 Jahre alte Bundesligaprofi von Eintracht Frankfurt.

Für Boateng hätte ein solcher 'Rassisten-Beweis' eine deutlich größere Bedeutung als die Entscheidung 'Tor oder kein Tor'. Solche Maßnahmen würden "doch der Menschheit weiterhelfen und nicht nur dem Sport", meinte der Halbbruder von Jerome Boateng. "In jeder neuen Saison gibt es Vorfälle. Das darf einfach nicht mehr passieren."

Boateng ging 2013 voran und setzte ein Zeichen

epa03523301 Milan midfielder Kevin Prince Boateng (C) leaves the playing field during the friendly match between AC Milan and Pro Patria, Busto Arsizio, near Milan, Italy, 03 January 2013. The match was abandonned after some of the Serie A black play
Nach zahlreichen Beleidigungen verließ Boateng im Spiel gegen Pro Patria schließlich den Platz
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Im Januar 2013 hatte Boateng bei einem Freundschaftsspiel mit seinem damaligen Club AC Mailand gegen den Viertligisten Pro Patria zusammen mit der ganzen Mannschaft den Platz verlassen, nachdem er und andere dunkelhäutige Mitspieler von Zuschauern beleidigt worden waren.

"Immer wenn ich den Ball bekam, gab es Schmährufe und Affenlaute gegen mich", sagte er später vor einem italienischen Gericht aus. "Ich wurde verspottet, weil ich dunkelhäutig bin." Boateng war danach für die UN-Gesprächsrunde am Anti-Rassismus-Tag eingeladen worden.