Kerth erklärt frühe Impfung, auch Kärger bereits geimpft

Stefan Kerth (SPD), Landrat von Vorpommern-Rügen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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23. Februar 2021 - 18:51 Uhr

Stralsund/Neubrandenburg (dpa/mv) - Der Landrat von Vorpommern-Rügen hat seine frühe Impfung gegen das Coronavirus mit überschüssigem Impfstoff und der vergeblichen Suche nach anderen Impfkandidaten erklärt. Stefan Kerth (47) war schon am 12. Januar im Impfzentrum in Stralsund geimpft worden, wie er laut Medienberichten am Montag auf einer Kreistagssitzung bestätigte. "Ich bin an dem Tag da gewesen zur Eröffnung", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Irgendwann seien Impfwillige gesucht worden, weil Spritzen bereits aufgezogen worden waren für Impfberechtigte, die nicht erschienen seien. Es habe an dem Tag technische Schwierigkeiten bei der Terminvergabe durch das Land gegeben.

Laut einer Mitteilung des Landkreises waren zu Dienstschluss des Zentrums noch vier aufgezogene Spritzen vorhanden, die man hätte wegwerfen müssen. "Ich habe mich selbstverständlich dagegen verwahrt, dass ich eine Impfung bekomme, weil ich einfach nicht dran bin", sagte Kerth. Mitarbeiter hätten allerdings zu dem Zeitpunkt nicht ausreichend Ersatzkandidaten finden können. Auch im Hinblick auf Impfbedenken habe Kerth auch befürchtet, dass es "extrem eigenartig rüberkommt", wenn er sich kategorisch verweigert und darauf bestanden hätte, dass die letzte Dosis weggeschmissen wird.

Schließlich habe er der Impfung zugestimmt und sei wie zwei Hilfskräfte und ein weiterer Verwaltungsmitarbeiter geimpft worden. Dabei handelte es sich laut Landkreis um einen normalen Mitarbeiter und nicht um einen Stellvertreter oder Amtsleiter. Kerth habe sich schon damals dazu entschieden die zweite Impfung verstreichen zu lassen. Danach seien Listen mit Kontaktdaten erstellt worden, etwa von Rettungsdienstmitarbeiterinnen und -mitarbeitern oder Personal aus Alten- und Pflegeeinrichtungen, die im Fall von übrigen Impfdosen angerufen werden.

Nach Bekanntwerden der Impfung Kerths war Kritik laut geworden etwa von der Jungen Union und der AfD. Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben den Sachverhalt sieht aber bisher keinen Anfangsverdacht.

Der Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Heiko Kärger (CDU), ist ebenfalls bereits gegen Corona geimpft. Der 60-Jährige, der auch Vorsitzender des Landkreistages Mecklenburg-Vorpommern ist, wurde aufgrund seiner Vorerkrankungen als Risikopatient geführt, wie die Leiterin des Gesundheitsamtes Cornelia Ruhnau am Dienstag erklärte. Kärger, der sich derzeit außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern von einer anderen Erkrankung erholt, habe das Gesundheitsamt des Landkreises aufgrund mehrerer Anfragen von der Schweigepflicht entbunden.

Die Impfung sei mit Impfstoff erfolgt, der für Risikopatienten zur Verfügung stand und ansonsten an dem Tag hätte vernichtet werden müssen, erklärte Ruhnau. Die Impfung stand zudem im Zusammenhang mit einer Operation, die damals in einer Klinik in einem Corona-Hochrisikogebiet lag. Kärgers Vertreter, die Vize-Landräte Kai Seiferth und Thomas Müller, sind noch nicht geimpft, wie beide auf Anfrage erklärten.

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Quelle: DPA