Kerstin und Michaela überlebten Bus-Unglück durch Zufall: „Wir hätten genauso gut diesem Bus zugewiesen werden können."

Ermittler und Helfer räumen am ausgebrannten Wrack des Unglücks-Busses auf.
Ermittler und Helfer räumen am ausgebrannten Wrack des Unglücks-Busses auf.
© imago/Xinhua, Luo Huanhuan, imago stock&people

06. Juli 2017 - 14:47 Uhr

Reiseveranstalter teile Reisegruppe auf zwei Busse auf

Michaela und Kerstin S. (Name geändert, Anm. d. Red.) sind gerade bei einer Stadtrundführung am Gardasee unterwegs, als sie auf dem Titelblatt einer Tageszeitung den ausgebrannten Bus sehen. Es ist der Moment, in dem sie begreifen, dass es auch sie hätte treffen können. Die Reisenden aus Dresden wurden auf zwei Busse desselben Reiseunternehmens aufgeteilt. Ihrer fuhr eine gute Stunde vor dem Unglücks-Bus ab.

Michaela und Kerstin fuhren eine Stunde vorher los

Um 3:15 Uhr startete der Bus, in dem Mutter Kerstin und Tochter Michaela saßen, in Richtung Italien. Sie und die andere Reisegruppe, die um 4:00 Uhr morgens startete, wollten einen unbeschwerten Urlaub am Gardasee verbringen. Die spätere Busfahrt um 4:00 Uhr überlebten 18 Menschen wegen des schweren Unfalls auf der A9 in Franken nicht. Etliche wurden schwer verletzt.

"Es war der zweite Bus von unserem Reiseunternehmen, der circa eine Stunde später - also so gegen 4:00 Uhr am Hauptbahnhof gestartet ist", sagte Michaela aus Dresden. "Wir hätten genauso gut diesem Bus zugewiesen werden können. Die Dresdner wurden auf beide Busse verteilt. Wir haben zufällig den ersten Bus bekommen", erzählt sie weiter. Mutter und Tochter hätten vermutlich eher den zweiten Bus gewählt, wenn sie es sich hätten aussuchen können.

"Bei der Weinprobe heute waren ihre Tische leer. Das ist so unfassbar."

Der Schock bei Michaela und Kerstin sitzt immer noch tief. Immer wieder müssen sie daran denken, dass ihnen ein Zufall das Leben rettete. "Wir hatten heute einen wunderschönen und erlebnisreichen Tag. Man könnte Italien-Fan werden. Aber meine Gedanken sind oft abgeschweift und ich habe oft der Reiseleiterin nicht zugehört und Löcher in die Luft geguckt", erzählt Michaela, um zu ergänzen "Die [anderen] hätten heute den gleichen tollen Tag gehabt. Und bei der Weinprobe heute waren ihre Tische leer. Das ist so unfassbar."