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Kenias Präsident: Die Terroristen sind besiegt

Kenias Präsident: Die Terroristen sind besiegt

Kenia Geiseldrama Terroristin Samantha Lewthwaite
Britische Medien bringen die 'weiße Witwe' Samantha Lewthwaite mit dem Terrorakt in Kenia in Verbindung.
dpa, Dai Kurokawa

"Aber unsere Verluste sind riesig"

Die Terroristen im Einkaufszentrum Westgate in der kenianischen Hauptstadt Nairobi sind nach offiziellen Angaben besiegt. Fünf der Angreifer seien bei der Militäroperation seit Samstag getötet worden, andere seien offenbar gestorben, als Teile des Gebäudes einstürzten, sagte Präsident Uhuru Kenyatta in einer Fernsehansprache. "Wir haben die Angreifer geschlagen", erklärte der Staatschef. "Aber unsere Verluste sind riesig." Nach seinen Angaben wurden bei dem Anschlag 61 Zivilisten getötet, auch sechs Soldaten kamen ums Leben. Kenyatta rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Das Bundeskriminalamt hat sechs Spezialisten zur Spurensuche in die kenianische Hauptstadt geschickt. Die Fachleute sollten den einheimischen Kräften dabei helfen, die Todesopfer zu identifizieren und den Tatort zu untersuchen, sagte eine BKA-Sprecherin

Lange hatten die kenianischen Sicherheitskräfte entgegen Regierungsangaben die Lage in dem von Islamisten gestürmten Einkaufszentrum noch nicht unter Kontrolle gebracht. Vier Tage nach dem Angriff von Kämpfern der somalischen Al-Schabaab-Miliz waren an der Einkaufspassage wieder Schüsse zu hören. Die Islamisten teilten über Twitter mit, die Geiseln in ihrer Gewalt lebten noch. Inzwischen ist klar: Nicht alle Geiselnehmer kommen aus Afrika.

An dem Anschlag sollen nach Angaben der kenianischen Regierung auch mehrere Amerikaner und eine Britin beteiligt gewesen sein. Unter den Terroristen seien "zwei oder drei " junge Amerikaner im Alter von etwa 18 und 19 Jahren gewesen", sagte Außenministerin Amina Mohamed in einem Interview des US-Senders PBS. Sie seien somalischen oder arabischen Ursprungs. "Aber sie lebten in den USA, in Minnesota und an einem anderen Ort ", ergänzte die Ministerin. Die Britin habe sich schon zuvor an Terrorangriffen beteiligt. Dies beweise die globale Natur des Terrorismus.

In britischen Medien wird spekuliert, die international gesuchte Terroristin Samantha Lewthwaite würde zu den Drahtziehern gehören. Die zum Islam konvertierte 29-Jährige ist die Witwe eines der Selbstmordattentäter von London. Auf der Insel wird sie als 'weiße Witwe' bezeichnet. In britischen Sicherheitskreisen wurde ihre Beteiligung nicht ausgeschlossen. Bislang gebe es jedoch keine konkreten Hinweise. Bei der U-Bahn-Anschlagserie in der britischen Hauptstadt waren 2005 über 50 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden.

Schon früh hatte die in Nordirland geborene Lewthwaite den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen, wie die Nachrichtenagentur PA berichtet. Aufgewachsen als Tochter eines englischen Soldaten und einer irischen Katholikin konvertierte sie im Alter von 17 Jahren, nachdem die Familie nach England umgezogen war.

In einem Chatroom machte sie Bekanntschaft mit dem späteren Selbstmordattentäter Jermaine Lindsay, den sie kurze Zeit später heiratete. Im Alter von 21 Jahren war sie zur Witwe geworden. Lewthwaite verurteilte die Anschläge damals als abscheulich. Doch seitdem scheint sich ihr Verhältnis zum Terrorismus grundlegend geändert zu haben. Zunächst verloren sich die Spuren der Frau und Mutter - bis sie 2011 mit einem falschen Pass in Kenia wieder auftauchte. Das kenianische Außenministerium geht davon aus, dass die Frau seitdem an mehreren Terrorakten beteiligt war.

So soll 2012 in ihrer Wohnung in Mombasa eine Bomben-Werkstatt gefunden worden sein. Sie wird auch mit einer tödlichen Auseinandersetzung unter Terroristen in Verbindung gebracht, bei der auch ihr zweiter Ehemann gestorben sein soll.

"Westgate bleibt weiterhin Tatort eines Verbrechens“

Die Al-Schabaab wies die Berichte zurück. "Wer die Angreifer als Amerikaner und Briten beschreibt, hat keine Ahnung, was in dem Westgate-Gebäude vor sich geht", erklärten Sprecher der Gruppe. Sie stünden im Kontakt mit den Kämpfern im Einkaufszentrum. Seit Tagen kursieren aber Gerüchte, dass noch weitere Ausländer beteiligt sind, zumeist mit afrikanischen Wurzeln.

Bei dem Überfall mit Handgranaten und automatischen Schusswaffen waren am Samstag mehr als 60 Menschen getötet worden. Zu den Toten und Verletzten gehören neben zahlreichen Kenianern unter anderem Franzosen, Briten, Kanadier, Südafrikaner und US-Amerikaner. Weitere 63 werden nach Angaben des Roten Kreuzes noch vermisst. Beobachter erwarten, dass in dem Zentrum noch zahlreiche Leichen liegen.

Am Morgen waren wieder vereinzelt Schüsse und Explosionen zu hören. "Westgate bleibt weiterhin Tatort eines Verbrechens“, erklärte das kenianische Innenministerium. "Alle Straßen, die zu dem Zentrum führen, sind abgesperrt." Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die Gegend weiträumig zu meiden.

In einer ganzen Reihe von afrikanischen Staaten wie Kenia, Mali, Nigeria und Algerien verüben radikale Muslime immer wieder Anschläge oder befinden sich im Aufstand gegen die Regierungen. Zwar ist ihr Kampf auch auf örtliche Konflikte zurückzuführen. Gemeinsam ist ihnen aber ein anti-westlicher, christenfeindlicher Zug. Der Angriff auf das Einkaufszentrum ist der schwerste Anschlag in Kenia seit dem Bombenangriff der Al-Kaida auf die US-Botschaft 1998. Damals starben mehr als 200 Menschen. Al-Schabaab hat aktuell mit weiteren Anschlägen im Safari-Land gedroht.