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Kenia will Somalier loswerden: Müssen 400.000 Flüchtlinge zurück ins Bürgerkriegsland?

Kenia will Somalier loswerden: Müssen 400.000 Flüchtlinge zurück ins Bürgerkriegsland?

RTL-Reporterin Nicole Macheroux-Denault in Dadaab

Hilfsorganisationen sind überrascht, die Menschen verängstigt. Kenia will die ihnen seit Jahren unliebsamen Flüchtlinge loswerden, 400.000 Menschen ins Bürgerkriegsland Somalia zurückschicken. Als Vorwand dient das Attentat auf das Westgate Shopping Center in Nairobi. Die Terroristen seien durch das weltgrößte Flüchtlingslager in Dadaab eingereist. Beweise gibt es nicht, trotzdem soll es jetzt schließen.

Kenia will unliebsame Flüchtlinge ins Bürgerkriegsland Somalia schicken.
Auf Druck der kenianischen Regierung hat die Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen (UNHCR) einem Abkommen zur zunächst freiwilligen Rückführung der ca. 400.000 Flüchtlinge ins Bürgerkriegsland Somalia zugestimmt.

Der Druck der kenianischen Regierung ist dabei sogar so groß, dass die Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen, UNHCR, nun überraschend einem Abkommen zur zunächst freiwilligen Rückführung zugestimmt hat. "Die Situation in Somalia hat sich nach der Wahl der neuen Regierung teilweise verbessert", rechtfertigt der UNHCR-Chef in Dadaab, Ahmed Warsame. Mancherorts sei eine Normalisierung der Lage zu verzeichnen. Die Flüchtlinge aber haben Angst.

Deutschland will dem Druck der kenianischen Regierung nicht nachgeben

"Das Dilemma ist, die somalische Regierung kontrolliert nur 20 Prozent des Landes", erklärt Bishar Salat von CARE Kenia. "Diese Menschen hier sind ja grundsätzlich bereit nach Hause zu kehren, aber was erwartet sie dort? Das ist eine Frage, die beantwortet werden muss." Kaum eine Flüchtlingsfamilie in Dadaab ist derzeit bereit, freiwillig nach Somalia zurück zu kehren. "Aber es ist wohl nicht mehr in unserer Kontrolle dies zu entscheiden", meint er Mohammed Abdi Shire, Ratsvorsitzender im Flüchtlingslager.

Die deutsche Regierung reagiert demonstrativ auf die Lage der Flüchtlinge. Sie spendete knapp eine Million Euro zum Ausbau der Wasserversorgung sowie sanitärer Anlagen in dem Lager. Ein klares Zeichen dafür, dass man dem kenianischen Druck nicht nachgeben will.