Beim Durchsetzen der Ausgangssperre

Kenia: Polizei erschießt 13-Jährigen beim Spielen

10. Juli 2020 - 19:02 Uhr

Brutaler Angriff in Nairobi

Dieser tragische Tod eines 13-Jährigen macht fassungslos: Ein Junge aus Kenia wurde bereits im März wahllos auf dem Balkon der Wohnung seiner Eltern von einem Polizisten erschossen. Ein Polizeitrupp war im Wohngebiet in einem Slum der Hauptstadt Nairobi unterwegs, um die Corona-Ausgangssperre durchzusetzen. Dann folgte der brutale Angriff auf den Jugendlichen. Sehen Sie im Video, wie es zu dem tödlichen Schuss kam und warum die Familie des Jungen jetzt in größerer Angst lebt als je zuvor.

40 Prozent mehr Polizeigewalt in Kenia

In dem ostafrikanischen Land sind Angriffe durch Beamte leider Alltag: In Kenia ist Polizeigewalt seit vielen Jahren ein großes Problem. Die Corona-Krise hat die Lage deutlich verschärft. Menschenrechtsorganisationen berichten von mindestes 101 Toten durch Polizeigewalt in den vergangenen fünf Monaten - 40 Prozent mehr als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Dabei hat die "Black Lives Matter"-Bewegung das Selbstbewusstsein der kenianischen Bevölkerung gestärkt.

Polizisten bedrohen Opfer-Familie

Doch für einen 13-Jährigen aus Nairobi bedeutete die Welle der Polizeigewalt das Todesurteil: Die Kugel eines Polizisten traf ihn in den Unterleib. Zwar kam das Kind umgehend ins Krankenhaus, dort ist es aber seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Junge soll mit seinen Geschwistern auf dem Balkon gespielt haben, als ihn das tödliche Geschoss traf.

Nun steht der Todesschütze vor Gericht. Doch statt Rechtsstaatlichkeit erfährt die Familie des Opfers immer weitere Behörden-Willkür: Kollegen des angeklagten Polizisten laufen regelmäßig an ihrem Haus vorbei, jagen den Angehörigen einen Schreck ein. Trotzdem zeigen die Nachbarn Solidarität: Riesige Wandmalereien mit dem Gesicht des Jungen weisen auf das Verbrechen der Ordnungshüter hin. Erst nach Massenprotesten wurde der verantwortliche Polizist in Gewahrsam genommen.