Regierung verhängt Tabak-Bann

Keine Zigaretten mehr von heute auf morgen: Südafrika ist auf Entzug

In Südafrika entwickelt sich eine Corona-Beschränkung zum weltweit einmaligen sozialen Experiment: Die Regierung setzt eine ganze Nation von einem Tag auf den andern auf Tabak-Entzug.

30. Juni 2020 - 12:31 Uhr

Weltweit einmaliges Experiment

In Südafrika entwickelt sich eine Corona-Beschränkung zum weltweit einmaligen sozialen Experiment: Die Regierung setzt eine ganze Nation von einem Tag auf den andern auf Tabak-Entzug. Das Geschäft auf dem Schwarzmarkt floriert. Doch einige Raucher nutzen die Gelegenheit - und hören auf.

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Corona-Beschränkungen in Südafrika

Katlego Tshiloane raucht vor Wut: "Dieser Tabak-Bann macht keinen Sinn", schimpft der 34-jährige Südafrikaner aus Johannesburgs Vorort Soweto. Früher hat er zwischen 10 und 20 Zigaretten pro Tag geraucht - das war vor den Ende März verhängten strikten Corona-Beschränkungen. Seitdem gab es zwar diverse Lockerungen, doch der Tabakbann hat sehr zum Ärger der Raucher des Landes bis heute Bestand.

De facto befindet sich damit eine ganze Nation seit mehr als drei Monaten in der wohl größten Raucher-Entzugskur der Geschichte. Mit Folgen: Die Tabakindustrie ist auf den Barrikaden, Verbraucherschützer wittern schwere Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte, Ökonomen warnen vor Steuerverlusten. Viele Raucher bedienen sich auf dem Schwarzmarkt mit dubiosem Ersatz wie Rooibosch-Zigaretten.

"Ich habe es sogar mal mit grünem Tee in der Pfeife versucht", gesteht Philip Newmarch. Der 75-jährige Kapstädter hat als 18-Jähriger mit dem Rauchen begonnen - und war plötzlich von allem Nachschub abgeschnitten, als die Vorräte aufgebraucht waren. "Die letzte richtige Zigarette habe ich Mitte April geraucht", sagt er.

Der Schwarzmarkt floriert

Die zuständige Ministerin Nkosazana Dlamini-Zuma hatte den Bann damit begründet, dass Raucher gefährdeter für Komplikationen durch Covid-19 seien und das Gesundheitssystem strapazieren könnten. Zwar hatte ein Gericht Anfang Juni befunden, der Tabakbann und ähnliche Maßnahmen stünden rational nicht im Zusammenhang mit einer Begrenzung der Covid-19-Infektionen. Doch vergangenen Freitag gab ein anderes Gericht in Pretoria der Ministerin Recht und wies eine Klage der unabhängigen FITA-Tabakproduzenten ab.

Dabei hatte Johnny Moloto gewarnt: "Der fortwährende Bann für den legalen Tabakverkauf bedroht das Überleben des Tabaksektors." Der Manager vertritt die Interessen des Tabakkonzerns British American Tobacco South Africa, mit einem Marktanteil von 78 Prozent Südafrikas größter Tabakkonzern. Der warnt vor den ökonomischen Folgen und argumentiert, dass die Branche dem Fiskus 2019 rund 13 Milliarden Rand (rund 678 Millionen Euro) an Steuern in die Staatskassen spülte. Sein Eil-Antrag vor Gericht auf Abschaffung des Banns wurde zuletzt überraschend auf Anfang August verschoben.

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Tausende Jobs in der Wirtschaft gefährdet

Lisa Williams aus Pretoria, Raucherin seit 20 Jahren, glaubt daher nicht an eine baldige Aufhebung. "Anfangs habe ich Vorräte für drei Wochen angelegt, dann war Schluss", sagt die Yoga-Lehrerin. Noch hat sie keine Entzugserscheinungen: Wie andere auch hat die 61-Jährige den Schwarzmarkt entdeckt. Dort ist viel starker Tobak dubioser Qualität zu haben, meint der Johannesburger Pocha Ngulube, der seine Zigaretten einzeln kauft. "Früher kostete eine 3 Rands", sagt er. Heute hat er sie mit viel Glück für 5 Rands gekauft.

"Der Bann hat wie ein Katalysator gewirkt"

Auch Tshiloane bestätigt, dass Zigaretten problemlos zu haben seien. Die Preise sind aber hoch. Kostete die Stange Markenzigaretten einst 420 Rands (21,50 Euro), so fordern Schwarzmarkthändler nun 650 Rands (33,30 Euro). "Bei Markenzigaretten reichen die Preise sogar bis zu 1800 Rands (92,20 Euro)", weiß Williams.

Der Autor Max Du Preez rügt daher, der Bann habe die größte Verbrechenswelle in Südafrikas Geschichte ausgelöst, legt man die Zahl der individuellen Überschreitungen zugrunde. Millionen Bürger hätten erstmals Gesetze gebrochen. "Tausende Jobs sind in der Wirtschaft gefährdet, während die Kriminalität zur neuen Normalität wird", klagt er.

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