Keine Volksfeste: Brauer befürchten weitere Rückschläge

21. April 2020 - 16:00 Uhr

Die Absage des Oktoberfestes in München und die Terminprobleme für die Cranger Kirmes im Ruhrgebiet werden in der Bierbranche als weitere Hiobsbotschaften angesehen. Der Deutsche Brauer-Bund spricht von bundesweit bereits Zehntausenden im Zuge der Corona-Krise abgesagten Veranstaltungen und Festen, die eigentlich Pfeiler der Branche seien. "Das ist auf Null", sagte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Auch der wichtige Bereich Gastronomie, mit dem üblicherweise etwa 20 Prozent des gesamten deutschen Bierabsatzes verbunden sind, sei derzeit weggebrochen.

Vor diesem Hintergrund und angesichts herber Rückschläge im Exportgeschäft drohe der deutschen Braubranche nach aktuellem Stand ein zweistelliger Absatzrückgang im laufenden Jahr. "Es ist noch kein Licht am Ende des Tunnels im Sicht", verdeutlichte Eichele. Im Gastgewerbe verschärfe sich die Situation von Tag zu Tag und das habe in einem Dominoeffekt längst auf die Brauwirtschaft übergriffen. Viele der bundesweit über 1500 Bierhersteller seien eng an die Gastronomie gebunden und Pachtausfälle träfen die Brauer hart.

Der Bierabsatz im Einzelhandel, dem vierten Pfeiler der Branche neben Gastronomie, Veranstaltungen und Export, verlaufe aktuell schleppend. Knapp 90 Prozent der Brauereien rechneten mit Kurzarbeit und knapp 20 Prozent mit Entlassungen. Der Verband forderte Bund und Bundesländer auf, die "drohende Pleitewelle im Gastgewerbe" zu stoppen. "Das Gebot der Stunde ist es, weiterhin wirksam die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, gleichzeitig aber aufseiten der Wirtschaft Insolvenzen mit all ihren Konsequenzen zu verhindern", unterstrich Eichele.

Nordrhein-Westfalen ist nach Bayern das Bundesland mit der zweitgrößten Bierproduktion in Deutschland. Landesweit gibt es 32 Brauereien mit 20 und mehr Beschäftigten, die 2019 insgesamt 17,8 Millionen Hektoliter alkoholhaltiges Bier brauten, wie das Statistische Landesamt am Dienstag mitteilte. Das war 2,6 Prozent weniger Bier als 2018. Die Menge hätte rechnerisch gereicht, um jeden volljährigen Einwohner in NRW täglich mit einem kleinen Glas Bier (0,33 Liter) zu versorgen. Nicht enthalten in den Zahlen sind Biermischgetränke sowie die vielen Klein- und Hausbrauereien.

Die Stadt Herne teilte mit, dass sie mit Sicherheitsbehörden und Schausteller einen Ausweichtermin für die Cranger Kirmes im Oktober prüft. Da Großveranstaltungen wegen der Corona-Pandemie bis zum 31. August bundesweit untersagt sind, finde die Cranger Kirmes nicht wie geplant Anfang August statt. "Crange kann man nicht einfach absagen. Ob wir einen Ersatztermin finden, hängt aber von vielen Kriterien ab, die wir nicht alle beeinflussen können", sagte Oberbürgermeister Frank Dudda (SPD). Wichtige Kriterien seien außer dem Gesundheitsschutz unter anderem der Wegfall des Kontaktverbots und die Besuchersicherheit. Die Cranger Kirmes besuchen üblicherweise vier Millionen Menschen.

Stichwort Düsseldorfer Rheinkirmes: Auch die steht auf der Kippe. Wenn Großveranstaltungen generell untersagt würden, sei die "Größte Kirmes am Rhein" im Juli nicht möglich, hatte ein Sprecher der Veranstalter zuletzt mitgeteilt. "Wir werden jedoch weiterhin intensiv alle Optionen prüfen, die dazu führen könnten, Düsseldorfs größtes Volksfest doch nach dem 31. August stattfinden zu lassen."

Erstmals seit über 70 Jahren gibt es in München kein Oktoberfest. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens OB Dieter Reiter (SPD), der das Fest am 19. September eröffnet hätte, gaben die Absage am Dienstag bekannt. Ohne Impfstoff sei es zu gefährlich, die Ansteckungsgefahr zu hoch. Erfahrungen etwa aus Ischgl und Heinsberg zeigten: Massen feiernder Menschen sind ein extremes Risiko. Sechs Millionen Besucher drängen sich normalerweise auf dem Oktoberfest.

Quelle: DPA