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Keine Lust mehr auf "Watschnbaum": Horst Seehofer schließt Rücktritt als CSU-Chef nicht mehr aus

Horst Seehofer deutet Rücktritt von Parteivorsitz an
Horst Seehofer deutet Rücktritt von Parteivorsitz an CSU-Chef will nicht Sündenbock sein 00:37

Horst Seehofer will nicht mehr der Sündenbock sein

Spätestens seit der vergangenen Landtagswahl in Bayern ist klar: Mit der Monopolstellung im Freistaat ist es vorbei. Konnten die Christsozialen die vergangenen fünf Jahre noch alleine regieren, sind sie mit nur 37,2 Prozent der Stimmen nun auf einen Partner angewiesen. Immer wieder musste Horst Seehofer als Buhmann herhalten, um das Debakel zu erklären. Das will der CSU-Chef jetzt nicht mehr mitmachen. Am Sonntag erklärte er klipp und klar: Wenn es so weiter geht, dann ist es mit seinem Parteivorsitz vorbei. Bei einigen CSU-Verbänden würde für Entscheidung auf Erleichterung sorgen.

"Noch mal mache ich einen Watschnbaum nicht"

Erstmals deutete Seehofer nach der Pleite bei der CSU-Landtagswahl einen möglichen Rücktritt als Parteichef an – wenn ihn seine Partei für den CSU-Absturz allein verantwortlich machen sollte. "Noch mal mache ich einen Watschnbaum nicht. Man kann mich kritisieren, aber das zu reduzieren auf den Horst Seehofer, und der ist für alles verantwortlich, das werde ich persönlich nicht mitmachen", sagte Seehofer am Sonntag im Bayerischen Fernsehen. "Eher stelle ich mein Amt als Parteivorsitzender zur Verfügung – ich glaube, klarer kann man sich nicht ausdrücken." Drei CSU-Kreisverbände fordern bereits offen Seehofers Ablösung und würden einen Rücktritt begrüßen. Andere Verbände fordern einen Parteitag, bei dem explizit die "Aufstellung" für die kommenden Jahre entschieden werden soll.

Bei der bayerischen Landtagswahl hatte die CSU satte 10,5 Prozent im Vergleich zur vorherigen Wahl einbüßen müssen. Weil er im Streit um die Asylfrage mit der Schwesterpartei einen eigenwilligen Alleingang hingelegt hatte, war der Parteichef und Bundesinnenminister bei vielen Wählern in Ungnade gefallen. Nach dem Wahldebakel steht er nun noch massiver als zuvor unter Druck. Denn es wird vermutet, dass sich die Querelen auf Bundesebene auch auf die Wahlergebnisse in Bayern ausgewirkt haben.

Wahlanalyse verärgert Horst Seehofer

Horst Seehofer selbst weist eine Alleinverantwortung energisch zurück. "Das ist halt ein einfaches Geschäft: Wenn man auf einen anderen zeigen kann, muss man sich nicht mit sich selbst beschäftigen." Auch bei der Bundestagswahl 2017 sei das so gewesen: "Obwohl ich gar nicht zur Wahl stand, in keiner Wahlsendung war, auf keinem Wahlplakat, war ich schon nach der Bundestagswahl der Hauptverursacher. Jetzt wieder", klagte er.

"Was mich ärgert, ist die oberflächliche Wahlanalyse, die viele anstellen", fügte Seehofer hinzu. Es gäbe tiefere Gründe für den Einbruch der CSU. Auch die Etablierung der Freien Wähler im Landtag seit 2008, das Erstarken der AfD und zunehmende Veränderungen in der Gesellschaft seien für den Wählerrückgang mitverantwortlich.

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