Industrie hat Versprechen gebrochen

Keine Besserung auf Plantagen: Noch immer schuften Kinder für unsere Schokolade

Schokolade: Rund 70 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos werden in Westafrika angebaut.
Schokolade: Rund 70 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos werden in Westafrika angebaut.
© mhpics, mhp

20. Oktober 2020 - 11:49 Uhr

Schokoladenindustrie versprach deutliche Reduzierung der Kinderarbeit

Es ist eigentlich bekannt, dass auf den Kakao-Plantagen, die die großen Schokoladenhersteller beliefern, sehr viele Kinder unter harten und unfairen Bedingungen schuften. Man verdrängt es nur manchmal ganz gerne, vor allem wenn im eigenen Alltag der Stress hochkocht und man dringend Nervenfutter braucht. Vor einer Weile haben deshalb die Schokoladenhersteller versprochen, sich dieses Problems anzunehmen. Sie wollten zwar nicht versprechen, die Kinderarbeit komplett auszumerzen, aber immerhin: Sie wollten sie bis zum Jahr 2020 um 70 Prozent reduzieren.

Versprechen gebrochen

Doch nun belegt eine neue Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums: Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen klar gebrochen. Noch immer arbeiten rund 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika. Die Verbreitungsrate von Kinderarbeit in dieser Region hat in den letzten zehn Jahren trotz Bemühungen von Regierungen und Unternehmen nicht abgenommen. Und: Rund 70 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos werden in Westafrika angebaut. Beim Biss in die Schokoladentafel oder den Schokoriegel, kann man also davon ausgehen, dass die dafür benutzten Kakaobohnen durch hart arbeitende Kinderhände gegangen sind

Die Entwicklungsorganisation INKOTA und das Forum Fairer Handel fordern deshalb von der Bundesregierung ein ambitioniertes Lieferkettengesetz, das Unternehmen haftbar macht, wenn sie eine Mitverantwortung für ausbeuterische Kinderarbeit tragen.

"Die Schokoladenindustrie hat ihr Versprechen gebrochen", kritisiert Johannes Schorling, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte beim INKOTA-netzwerk, "auch weil Unternehmen die hohen Kosten für solche Programme scheuen".

Ziel immer wieder verschoben

Bereits 2001 hatten Schokoladenhersteller wie Mars und Nestlé im Harkin-Engel-Protokoll versprochen, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2005 zu beenden. Das Ziel wurde in der Zwischenzeit mehrfach revidiert. Aktuell strebt die Schokoladenindustrie eine Reduzierung der Kinderarbeit um 70 Prozent bis 2020 an. Eine neue Studie des National Opinion Research Center (NORC) der Universität Chicago belegt nun, dass auch dieses Ziel verfehlt wurde: Rund 1,5 Millionen Kinder verrichten demnach in Ghana und der Elfenbeinküste ausbeuterische Kinderarbeit auf Kakaoplantagen - das sind 45 Prozent der Kinder in landwirtschaftlichen Haushalten in den Kakaoanbaugebieten. Insbesondere der Anteil der Kinder, die gefährlichen Chemikalien ausgesetzt sind, ist in den vergangenen Jahren sogar stark gestiegen.