Kein Land kommt um Diskussion um Atomlager herum

13. Februar 2016 - 10:14 Uhr

Als erstes südliches Bundesland ist Hessen explizit bereit, mit nach einem anderen Endlager für Atommüll zu suchen, falls die Erkundung in Gorleben scheitert. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte der 'Süddeutschen Zeitung', man müsse überall in Deutschland geeignete Endlager suchen, wenn Gorleben aus technischen Gründen ungeeignet sein sollte. "Es kann ja wohl nicht sein, dass wir das St.-Florians-Prinzip zur Grundlage unserer Politik machen."

Bislang hatten Hessen, Bayern und Baden-Württemberg ein neues Suchverfahren für ein Endlager abgelehnt. Die Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe hatte vor vier Jahren in Bayern und Baden-Württemberg Regionen ausgemacht, die in Frage kämen.

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, Atommüll zur Endlagerung ins Ausland zu bringen, sagte Bouffier, man müsse schon sehr gute Argumente haben, wenn man andere um Hilfe bitte. Das könne sich zwar ergeben. Man müsse aber wissen, dass der Andere dann gelegentlich auch Wünsche habe.

Schon am Donnerstag hatte sich Bouffier in der Frage neuer Atommülllager zur Entlastung von Gorleben flexibel gezeigt. Kein Land könne sich einer Diskussion um ein Castor-Zwischenlager entziehen, sagte er. Das stehe nicht im Widerspruch zur Aussage seiner Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU), dass die derzeitige Rechtslage keine Lagerung aufbereiteten Atommülls in Biblis zulasse. Unabhängig von der Länge der Nutzung werde zudem ein Endlager gebraucht. "Das ist eine nationale Aufgabe, das geht alle an." Davon könne sich niemand von vornherein ausschließen. "Das gilt sowohl für Endlager wie für Zwischenlager", sagte Bouffier.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bewertete die Aussagen des hessischen Ministerpräsidenten positiv. "Mit Bouffier zeigt die Union endlich ein Stückchen Verantwortungsbewusstsein in der Atomdebatte", sagte Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer.