2018 M06 13 - 19:28 Uhr

Welle der Hilfsbereitschaft für alleinerziehende Judith

Judith* ist 35 Jahre alt, Kinderkrankenschwester und alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Auf Twitter postete sie, dass ihr Geld vermutlich nicht reichen wird, um die Klassenfahrten und Ferienbetreuung für ihre Kinder zu bezahlen. Was sie nicht erwartet hat: Der Tweet geht viral - und Judith erlebt eine Welle der Hilfsbereitschaft.

Crowdfunding-Kampagne übertrifft alle Erwartungen

Im Gespräch mit dem Online-Magazin "Jetzt" erzählt Judith, die in Baden-Württemberg lebt und seit über einem Jahr alleinerziehend ist, dass sie ihre Verzweiflung schon häufiger mit ihrer bisher überschaubaren Anzahl an Twitter-Followern geteilt hat. Seit sie ihren Nebenjob aufgeben musste, weil die Betreuungsstunden für ihren fünfjährigen Sohn gekürzt wurden, fehlt das Geld an allen Ecken: "Ich bin es gewöhnt, mein Leben alleine zu stemmen, aber gerade ist es wirklich schwer". Geld zurücklegen kann sie kaum, da ständig etwas Unvorhergesehenes kommt – so auch die Kosten für die Klassenfahrten und Ferienbetreuung, die höher ausfielen als erwartet. "Und dann kommt so ein Brief von der Schule und in dir zieht sich alles zusammen", erzählt Judith.

Nach ihrem Tweet kam von ihren Followern viel Zuspruch - und der Rat, es einmal mit einer Crowdfunding-Kampagne zu versuchen. Erst kann sich Judith mit der Idee nicht anfreunden, weil sie nicht betteln will. Um ihren Kindern die Klassenreisen und die Ferienbetreuung dennoch irgendwie möglich zu machen, hat sie es dann doch probiert. 750 Euro sollten zusammenkommen - innerhalb von zwei Stunden war das Ziel erreicht. Mittlerweile wurden daraus über 17.000 Euro (Stand 13.06., 19 Uhr). Judith will dieses Geschenk jetzt teilen und Menschen unterstützen, denen es geht wie ihr.

Die Aufmerksamkeit will die 35-Jährige auch nutzen, um Alleinerziehenden eine Stimme zu geben: "Alle sagen ja immer: Die Alleinerziehenden sollen aufstehen und für ihre Rechte kämpfen. Aber nach meiner Erfahrung hat man dafür gar keine Zeit."

* Aus Sorge um ihre Kinder machte Judith nur ihren Vornamen öffentlich.