Kein Charlie Hebdo-Wagen beim Kölner Karneval: Das Ende der Narrenfreiheit?

21. Januar 2016 - 17:49 Uhr

"Möchten, dass alle Besucher ohne Sorgen Karneval erleben"

Mit einem Motivwagen wollten die Kölner Karnevalisten beim Rosenmontagszug ein Zeichen gegen den Terror setzen und an den Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo erinnern. Zu sehen ist ein Jeck, der einen Terroristen mit einem Buntstift stoppt. Doch am Abend kam der überraschende Rückzieher: Der Wagen darf nicht mitfahren.

Diese Grafik zeigt das Siegermotiv für den Karnevalswagen zum Thema Meinungsfreiheit.
Dieses Motiv werden die Kölner beim Rosenmontagszug nicht sehen.
© dpa, Festkommite Kölner Karneval

Kölner Karnevalschefs sind der Meinung, dass das Motiv eine Provokation sei, die gefährliche Konsequenzen haben könnte. "Wir möchten, dass alle Besucher, Bürger und Teilnehmer des Kölner Rosenmontagszuges befreit und ohne Sorgen einen fröhlichen Karneval erleben. Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht", so die Begründung.

Eine Kehrtwende, die überrascht. Immerhin hatten die Organisatoren im Internet sogar über das Motiv abstimmen lassen. Insgesamt 14 standen zur Auswahl, mehr als 7.000 Menschen hatten sich beteiligt. Der Charlie-Wagen bekam die größte Zustimmung - und wurde nun gestoppt. Dabei hatte sich Zugleiter Christoph Kuckelkorn noch vor einer Woche ganz klar dafür ausgesprochen, die Morde von Paris als Thema aufzugreifen. "Dazu sagen wir ganz klar ja", erklärte Kuckelkorn damals, "denn die Angriffe waren ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit - im Karneval auch bekannt als Narrenfreiheit". Heute klingt das ganz anders: "Wir wollen nicht verletzen, wir wollen nicht vernichten, sondern wir wollen ganz klar Stellung beziehen", rechtfertigt Markus Ritterbach vom Festkomitee die Entscheidung. "Aber das auf eine Art leichte Weise, auf eine Art, womit jeder leben kann."

Es hagelt Kritik: "Traurig, peinlich, schwach"

Die Organisatoren müssen sich für die Entscheidung viel Kritik gefallen lassen. "Traurig", "peinlich", "schwach" war auf der Facebook-Seite des Festkomitees zu lesen, und "Düsseldorf, bitte übernehmen Sie". Als Französin, die als Zuschauerin dabei sein werde, habe sie sich sehr über die Kölner Aktion gefreut, mit einem Wagen die Meinungs- und Pressefreiheit zu verteidigen, schreibt eine Frau: "Und jetzt das! Enttäuschend. Aber ich komme trotzdem und feiere mit."

Von einem Einknicken vor extremistischen, radikalen Kräften sprach der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Er äußerte im 'Express' aber auch Verständnis: "Wir alle wollen Rosenmontag als großes Volksfest unbeschwert erleben. Ohne, dass es von möglichen Gefahren oder Ängsten überschattet wird."

Das Comitee Düsseldorfer Carneval wollte die Kölner Kehrtwende ausdrücklich nicht kommentieren. Ob Wagenbauer Jacques Tilly den islamistischen Anschlag von Paris thematisiert, steht ihm frei. Die Düsseldorfer Wagen sind traditionell erst beim Umzug selbst zu sehen. Laut Polizei besteht kein erhöhtes Sicherheitsrisiko für den Kölner Rosenmontagsumzug - weder mit noch ohne den Charlie Hebdo-Wagen.

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