Kein Ausweis, keine Rechte, keine Bildung - keine Chance

Staatenlose schafft es als erste Shona an die Uni

Nasizi aus Kenia darf studieren Staatenlose schafft es als erste Shona an die Uni
02:51 min
Staatenlose schafft es als erste Shona an die Uni
Nasizi aus Kenia darf studieren

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"Als wäre man ein Geist in dem Land, in dem man lebt"

Nosizi Reuben Dube ist eine Hoffnungstägerin – für ihre Mutter, ihre Schwestern, für Staatenlose in Kenia und für alle Frauen in dem ostafrikanischen Land, die dort kaum Rechte haben. Als erste staatenlose Shona hat die 20-Jährige den Weg an die Universität geschafft.

Kein Ausweis, keine Rechte, keine Bildung - keine Chance

Nosizi Reuben Dube lebt mit sechs Schwestern und zwei Brüdern in einem Haus in Nairobi. Sie sind Staatenlose, haben keinerlei Rechte und das schon in der dritten Generation. Wie 3.500 andere Mitglieder vom Volk der Shona. Ihre Vorfahren kamen als Missionare aus Simbawe, wurden in Kenia nicht anerkannt und haben deshalb keine Staatsangehörigkeit, also auch keinen Ausweis. Und hier beginnt der Teufelskreis. Denn ohne Ausweis gibt es kaum Zugang zu Bildung – und ohne Bildung keine Chance, der Armut zu entfliehen. „Es ist, als wäre man ein Geist in dem Land, in dem man lebt“, sagt Nosizi. „Es war eine große herausfordernde Reise für mich, es bis auf die Universität zu schaffen.“

Für die junge Shona hat die Uni in Nairobi eine Ausnahme gemacht. Sie darf studieren. Wenn derzeit auch nicht vor Ort. Wegen der Corona-Pandemie findet der Unterricht online statt. Weil sie aber zu Hause keinen Internetanschluss hat, nimmt die Studentin früh am Morgen den Bus nach Nairobi. In der Menschenrechtsorganisation von Kenia darf sie das Internet nutzen. Hierher zu kommen ist ein Luxus, den die Familie stemmen muss. „Es ist eine tägliche Herausforderung, denn wenn das Geld für den Bus nicht da ist, kann ich an diesem Tag nicht am Unterricht teilnehmen. Es gab schon Zeiten, wo ich eine Woche zuhause bleiben musste, und wenn ich dann zurückkomme, sind die anderen weiter als ich.“

"Du musst kühn und mutig sein"

Während ihre Mutter mit den Schwestern Körbe flechtet, um das Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen, lernt Nosizi für ihr Wirtschaftsstudium. Dass sie es so weit gebracht hat, hat sie vor allem ihrer Mutter Angelin Ruramayi Mutenda zu verdanken. „Ich wollte zur Schule gehen, aber wir waren arm“, erzählt sie. „Auch wenn in unserer Kultur Mädchen nicht zur Schule gebracht werden, habe ich beschlossen, dass Nosizi eine Ausbildung bekommt.“

Nosizi ist die älteste der sechs Schwestern. Sie hilft den Jüngeren bei den Schulaufgaben, damit auch sie es vielleicht eines Tages auf die Uni schaffen. „Wir sind sehr stolz auf Sie, wir wollen genau wie sei sein. Niemand möchte zurückgelassen werden“, sagt ihre kleine Schwester Tema Dube. Schwester Brenda Dube ergänzt: „Wir wollen einen neuen Weg einschlagen und zeigen, dass ein Mädchen seine Träume verwirklichen kann und alles werden kann, was es sich vorgenommen hat, wenn es fleißig lernt.

Für diesen Traum flechtet die Mutter Körbe im Akkord, motiviert vom Ehrgeiz ihrer Ältesten. „Sie inspiriert mich, weil sie alle Herausforderungen uns als Staatenlose mit einem geringen Lebensstandart in Armut großzuziehen bewältigt hat. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, kann sie keiner stoppen.“ Von diesem Willen zeugt auch folgender Satz, den Nosizi im Interview sagt: "Du musst kühn und mutig sein, dann kann man im Leben alles erreichen was man will. Ich habe anderen gezeigt das es möglich ist.“