Kehrtwende: EU rückt von E10 ab

Erst 2011 wurde E10 an deutschen Tankstellen eingeführt - verschwindet er bald wieder?
© dpa, Oliver Berg

17. Oktober 2012 - 13:28 Uhr

E10 belastet das Klima stärker als bisher angenommen

Nachdem erst Anfang 2011 der flächendeckende Verkauf von Kraftstoff mit zehn Prozent Bioethanol (E10) eingeführt wurde, rudert die EU jetzt zurück. Aus einem Gesetzesentwurf geht hervor, dass die Nutzung von Biokraftstoffen beschränkt werden soll. Damit kommt die EU den Forderungen von zahlreichen Umweltverbänden nach.

Die bislang vorherrschende Meinung, Biokraftstoffe seien klimafreundlicher als solche aus fossilen Brennstoffen, wurde durch mehrere von der EU in Auftrag gegebene Studien widerlegt. Beim Anbau von Raps, Palmöl und Sojabohnen, den bevorzugten Grundlagen für Bioethanol, entsteht so viel CO2, das nur eine geringe Klimaschonung erreicht wird.

"Ein erster richtiger Schritt"

Außerdem herrschten in den wichtigen Anbauregionen wie den USA dieses Jahr Dürreperioden, sodass die Ernte schwach ausfällt. Das hat Sorgen ausgelöst, dass der subventionierte Anbau von Sprit-Getreide zu Engpässen bei Lebensmitteln beitragen könnte.

In dem Gesetzesentwurf der EU ist vorgesehen, dass die Subventionen für Biosprit aus Nahrungsmittelprodukten - meist handelt es sich um Palmöl, Sojabohnen oder Raps - in den nächsten Jahren komplett gestrichen werden. Insgesamt soll der Anteil von Biokraftstoffen bis 2020 auf 5 Prozent des gesamten Energieverbrauchs im Transportsektor gesenkt werden.

Negative Auswirkungen hätte eine Abkehr vom Biosprit für die Hersteller. Die Aktien der Firmen, die Bioethanol herstellen, brachen um bis zu zehn Prozent ein.

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel (FDP) begrüßt die Entwicklung: "Ich bin sehr froh, dass die Europäische Union gestern entschieden hat, die Subventionen von Biotreibstoffen in Europa zurückzufahren und die Beimischmengen von zehn auf fünf Prozent herunterzufahren. Das ist ein erster richtiger Schritt."