Keine Ärzte, keine Krankenhäuser, kein Schutz

Corona-Katastrophe in Krisengebieten befürchtet

07. April 2020 - 12:31 Uhr

Lage in Afrika und im Nahen Osten besonders bedrohlich

Die Corona-Pandemie hat die Welt im Griff. Tausende starben bereits. Die Gesundheitssysteme vieler Staaten stehen unter enormen Druck. Und in den Kriegsgebieten der Welt bahnt sich eine weitere Katastrophe an. Wie bedrohlich die Lage im afrikanischen Simbamwe und in Syrien ist, zeigen wir im Video. 

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"Wenn sich das Virus ausbreitet, können wir nichts mehr tun"

06.04.2020, Afghanistan, Kabul: Männer tragen Schals vor dem Gesicht und bedecken sich im Regen mit einer Plastikfolie. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Männer tragen Schals vor dem Gesicht, um sich vor dem Virus zu schützen.
© dpa, Rahmat Gul, RG dul

Zu wenig Ärzte, nicht genug Krankenhaus-Betten und sogar Fieberthermometer sind oft Mangelware. In den Krisengebieten dieser Welt, wo Krieg, Gewalt und Armut heftige Spuren hinterlassen haben, verschärft die weltweite Corona-Pandemie die Lage dramatisch. Und das vor den Augen der Weltöffentlichkeit. "Wenn sich das Virus ausbreitet, können wir nichts mehr tun. Wir sind nicht einmal in der Lage, 100 Betten für Corona-Patienten in einem Notfall zur Verfügung zu stellen", sagt Mohammad Dschawad Mersaie, ein Arzt aus der umkämpften afghanischen Provinz Farah. Es fehle an fast allem: Nur fünf Infrarot-Fieberthermometer habe man im Krankenhaus der Provinzhauptstadt. Die militant-islamistischen Taliban ließen die Ärzte aber ihre Arbeit machen, sagt der Arzt.

Das Gesundheitsministerium fürchtet ein düsteres Szenario für das kriegszerrisene Land. Weit mehr als 100.000 Menschen könnten an den Folgen des Coronavirus sterben, sagte Ministeriumssprecher Wahidullah Mayar. Im schlimmsten Fall geht die Regierung davon aus, dass 80 Prozent der Bevölkerung an Covid-19 erkranken. 

Viele leben von der Hand in den Mund

Offiziell sind noch keine Infektion gemeldet, aber auch im Kriegsgebiet im Osten der Ukraine könnte sich die Lage zuspitzen. Beide Seiten - Kiew und die prorussischen Separatisten - haben die Kontrollpunkte zu den seit 2014 von Separatisten kontrollierten Teilen der Gebiete Donezk und Luhansk faktisch geschlossen. Auch der Umweg über das angrenzende Russland war kurzzeitig zu.

Bisher passierten täglich rund 40.000 Menschen die Konfliktlinie. Das wird nun vor allem für Hunderttausende Rentner im Separatistengebiet zum Problem. Sie können ihre Rente nur an Geldautomaten an der anderen Seite der Grenze abholen. Viele leben von der Hand in den Mund. Für sie könnte die Situation mehr als eng werden.

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Humanitäre Lage ist ohnehin schon katastrophal

In Syrien gibt es offiziell erst wenige Fälle, allesamt in Regierungsgebieten. Wahrscheinlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis das Virus auch Rebellengebiete im Norden und Nordwesten erreicht. Dort ist die humanitäre Lage ohnehin schon katastrophal. Viele der Hunderttausenden Vertriebenen leben in völlig überfüllten Lagern, "dicht gedrängt unter unmenschlichen Bedingungen", wie die Hilfsorganisation Save the Children beklagt. Es ist praktisch unmöglich, Kontakt zu meiden.

Schon jetzt ist das Gesundheitssystem völlig überlastet. Durch Luftangriffe der syrischen Armee und des Verbündeten Russland sind viele Krankenhäuser zerstört. Verbreitet sich das Virus, drohen auch die verbliebenen Einrichtungen zusammenzubrechen. Die WHO hat in der Rebellenprovinz Idlib mit flächendeckenden Tests begonnen. Auch dringend benötigte Schutzkleidung wird dorthin gebracht.

Müller befürchtet neue Gewalt in Afrika

Der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller befürchtet, dass die Corona-Pandemie in Afrika zum Ausbruch neuer Gewalt und zu neuen Flüchtlingsbewegungen führt. "Die Lage ist dramatisch, denn mit einer Verzögerung von zwei Monaten kommt das Virus jetzt in den Entwicklungs- und Schwellenländern an", sagte der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen". "Ich habe große Sorgen, dass es in fragilen Staaten zum Ausbruch von Unruhen kommt, auch zu Bürgerkriegen", betonte er.

TVNOW-Doku: Stunde Null Teil 2 - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt weiter in Atem. Nach dem erfolgreichen ersten Teil der Doku "Stunde Null" vor zwei Wochen gleichen die Autoren in der zweiten TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.

Mehr Informationen finden Sie auch in unserem Podcast "Wir und Corona".