Verbraucher wollen nicht mehr nur billig

Umdenken am Einkaufswagen: Kaufen wir doch nachhaltiger ein?

Verbraucher wollen einer neuen Studie nach nicht nur billig einkaufen.
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04. Februar 2020 - 17:38 Uhr

von Philipp Sandmann

Es war das große Thema zu Beginn der Woche: Sind unsere Lebensmittel in Deutschland etwa zu billig? Die Landwirte sind der Meinung: Ja, sind sie. Die großen Supermarkt-Ketten sagen wiederum: Nein, die Lebensmittelpreise werden vom Markt geregelt und Verbraucher wollen billig einkaufen. 

Eine neue Studie kommt hingegen zu dem Schluss: Verbraucher wollen immer öfter ein attraktives Erlebnis beim Einkaufen. Auch Experten sagen: Es findet ein Umdenken statt, allerdings bleibt die Bequemlichkeit der Menschen ein Problem.

Studie: Supermärkte steigern Umsätze deutlicher als Discounter

Äpfel für 1,11 Euro, ein Kilo Möhren für 69 Cent oder ein Kilo Hühnerfleisch für 1,99 Euro. Mit solchen Preisen locken die Discounter in Deutschland. Landwirte sagen: Von diesen Preisen können wir nicht leben. Auch deswegen will die Bundesregierung gegensteuern. Es gehe darum, gute Lebensmittel zu verkaufen und dafür zu sorgen, dass Landwirte "auskömmlich" ihr Geld verdienten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag bei einem Treffen im Kanzleramt mit den vier großen Supermarkt-Ketten.

Interessant ist jedoch dieser Trend: Immer mehr Verbraucher wollen gar nicht nur die billigsten Lebensmittel bei Aldi oder Lidl, sondern verlangen "neben akzeptablen Preisen auch eine angenehme Einkaufsatmosphäre und ein attraktives Angebot an ökologisch nachhaltigen Produkten", heißt es in einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Das gelinge den Supermärkte wiederum besser als den Discountern. So steigerten Edeka, Rewe und Co ihre Umsätze 2019 um rund drei Prozent. Discounter wie Aldi und Lidl schafften laut GfK nur ein Plus von 0,9 Prozent.

Robert Kecskes, GfK-Handelsexperte, erklärt den Trend zu mehr Nachhaltigkeit so: "Bei den jüngeren Haushalten ist es auf ein aktives Engagement in Sachen Klimaschutz und Erhalt der Lebensbedingungen zurückzuführen. Bei den älteren Haushalten hat das es mit einer gewissen Tradition zu tun. Die Wegwerfgesellschaft von heute gab es in dieser Form früher einfach nicht."

​In die Karten spielt da aber auch, dass wir Deutschen mehr Geld zur Verfügung haben: Gaben 2009 lediglich 27 Prozent der Haushalte an, sie könnten sich "fast alles leisten", so sind es inzwischen schon 42 Prozent. Zugleich sank die Zahl der Haushalte, die sich nach eigener Einschätzung "fast nichts mehr leisten" können, von 26 auf 17 Prozent.

Trendwende bei Verbrauchern?

Tanja Schlote im Gemüsegarten
Tanja Schlote: "Wir wollen den Leuten erklären, wie man saisonal kochen kann"
© Tanja Schlote

Sind die deutschen Verbraucher also möglicherweise viel besser als ihr Ruf? Tanja Schlote, Mitgründerin von "Mein Gemüsegärtchen" und "Bürger machen Landwirtschaft", erkennt durchaus einen Trend, dass die "Leute viel früher an das Thema Gemüse und Garten denken."

Schlotes Konzept auf dem Biohof "Hellmesehof" in Stommeln (NRW): Jährlich wird eine bestimmte Fläche mit ca. 45 Gemüse- und Getreidesorten bepflanzt. Der Ertrag reicht dann wiederum, um 100 Personen und Haushalte mit Gemüse zu versorgen. Interessant an dem Konzept: Es gibt keinen Zwischenlieferanten mehr. Bezahlt werden also lediglich die Kosten, die bei der Erzeugung des Gemüses entstehen. Im Gespräch mit der RTL/ntv Redaktion sagte Schlote: "Es ist tatsächlich im Laufe der letzten Jahre immer leichter geworden, Menschen dafür zu gewinnen."

Credo der Jungen: "Lieber weniger, aber dafür besser"

Trotz der positiven Entwicklungen, sagt Schlote aber auch, dass viele Menschen noch zu sehr in ihren Komfortzonen leben würden. Einen wirklichen Mehraufwand einzugehen, damit tun sich die meisten noch schwer. Auch das Bewusstsein für saisonales Gemüse und Obst sei noch nicht in der breiten Masse angekommen. "Die Leute wissen zu wenig. Eine Tomate hat saisonal im Dezember eigentlich nichts auf unseren Tellern verloren. Trotzdem sagen viele Menschen: ich brauche das ganze Jahre Tomaten. Es gibt hier eine gewisse Bequemlichkeit", so Schlote.

Interessant ist der Blick auf die junge Generation. Hier sagt der Zukunftsforscher Daniel Dettling im Gespräch mit der RTL/ntv Redaktion: "Insbesondere bei den Generationen Y und Z etabliert sich eine neue Konsumkultur, die Sinnhaftigkeit und ökologisch verträgliches Wirtschaften vorantreibt", so Dettling.

Eine neue "Wir-Kultur" läute bei den Jüngeren die "Abkehr vom reinen Konsumismus ein", sagt Dettling. Weiter: "Lieber weniger, aber dafür besser" laute das Credo einer neuen progressiven Konsumkultur.

"Die Generation, die etwas weniger auf Nachhaltigkeit achtet, ist die mittlere. Überspitzt gesagt: Hier fährt man mit dem SUV zum Bioladen", sagt wiederum GFK-Experte Kecskes.