Kauf von Datenbrillen-Spezialisten: Facebook setzt auf virtuelle Realität

26. März 2014 - 19:35 Uhr

Zuckerberg mit neuem Milliarden-Deal

Kurz nach dem WhatsApp-Kauf hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg den nächsten Milliarden-Zukauf eingefädelt. Für rund 2,3 Milliarden Dollar (1,7 Mrd Euro) kauft er Oculus VR, einen Spezialisten für digitale Brillen, mit denen sich virtuelle Welten darstellen lassen.

Facebook-Datenbrille
Mark Zuckerberg hat allen Grund zur Freude: Kurz nach dem WhatsApp-Deal hat er ein neues Milliardengeschäft abgewickelt.
© REUTERS, ALBERT GEA

"Mobile Geräte sind die Plattform der Gegenwart; wir bereiten uns auf die Plattformen der Zukunft vor", begründet Zuckerberg den Zukauf. "Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform aller Zeiten zu erschaffen und damit die Art und Weise zu verändern, wie wir arbeiten, spielen und kommunizieren."

Das junge Unternehmen hatte mit der bisher vor allem für Computerspiele gedachten Datenbrille 'Oculus Rift' für Schlagzeilen gesorgt. Sie könnte nach langer Entwicklungszeit eventuell im Sommer erscheinen. Tester loben, man könne damit sehr glaubhaft in virtuelle Welten eintauchen. Die Technik ist aber immer noch recht klobig. Die Entwicklung des Geräts und der Plattform dahinter soll auch unter der Ägide von Facebook weitergehen.

Die Brille ist bereits seit 2012 in Arbeit. Ihre Erfinder hatten sich damals zunächst 2,4 Millionen Dollar von Internet-Nutzern bei der Online-Plattform Kickstarter beschafft. Inzwischen wurden insgesamt über 90 Millionen Dollar in die Firma gesteckt.

Höhenflug der Facebook-Aktie

Facebook hat auch eine große Spiele-Plattform, die von 'Oculus Rift' profitieren könnte. Zuckerberg erklärte jedoch, es gebe noch jede Menge weitere Anwendungsmöglichkeiten für solche Datenbrillen über das Spielen hinaus. Sportfans könnten sich die besten Plätze im Stadion sichern, virtuelles Lernen würde verbessert oder Konversationen mit dem Arzt. Man fühle sich "wahrhaft anwesend".

Zu den Rivalen gehört der japanische Elektronikriese Sony mit seinem jüngst vorgestellten 'Project Morpheus'. Nutzer der Playstation 4 können sich mit dieser Brille in virtuelle Spielewelten einklinken.

Facebook zahlt für Oculus VR 400 Millionen Dollar in bar und etwa 1,6 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Hinzu kommen später bis zu 300 Millionen Dollar, wenn bestimmte Ziele erreicht werden. Der Höhenflug der Facebook-Aktie gibt Zuckerberg eine Akquisitionswährung für solche Riesen-Deals. Die im Februar verkündete Übernahme des Kurznachrichten-Dienstes WhatsApp war insgesamt 19 Milliarden Dollar schwer. Zu den weiteren großen Zukäufen von Facebook gehört die Foto-Plattform Instagram.

Oculus VR soll im kalifornischen Irvine beheimatet bleiben und damit nicht in die Firmenzentrale von Facebook nach Menlo Park umziehen. Zuckerberg hatte zuvor auch WhatsApp größtmögliche Eigenständigkeit zugesichert.