Katzensteuer gefordert, weil die Samtpfoten Singvögel jagen

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Diese Meise ist ein Vogel von jährlich 200 Millionen, die in den Fängen von Hauskatzen sterben. Katzen können Singvögelbestände gefährden.
picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Jagende Katzen setzen bedrohten Arten extrem zu

Der Frühling ist endlich da, die Menschen genießen die Sonne und lauschen dem Gesang der Vögel. Aber wie lange noch? Ein ganzes Heer von streunenden Hauskatzen setzt unseren Singvögeln, aber auch seltenen Amphibien-Arten extrem zu. Möglich, dass die goldigen Samtpfoten sehr aktiv dazu beitragen, dass einige heimische Arten für immer verschwinden. Daher wird der Ruf nach Einführung einer Katzensteuer immer lauter.

Diese forderte zum Beispiel der renommierte Ornithologe Prof. Peter Berthold in 'auf einen Blick'. Katzenhalter sollten eine ökologische Ausgleichssteuer als Entschädigung dafür zahlen, dass die kleinen Streuner jährlich Millionen Vögel und Kleintiere reißen. Natürlich müssten die Einnahmen aus einer solchen Steuer dann auch irgendwie den Tieren zu Gute kommen.

"Der LBV hält die Erwägung einer Katzensteuer grundsätzlich nicht für falsch und findet es richtig, sich Gedanken zu diesem Thema zu machen. Allerdings würde der LBV eine solche Steuer nicht als Abschreckung für die Katzenhaltung sehen, sondern anregen, das Geld positiv für die Vögel zu nutzen und für vogelschutzrelevante Strukturen im Ortsbereich einzusetzen. Beispiele wären Blumenstreifen mit samentragenden Pflanzen, die Pflege von Heckenstreifen und die Pflanzung von Obstbäumen", sagt Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LbV) auf Anfrage von RTLaktuell.de.

Tatsächlich wurde die Einführung einer Katzensteuer im nordrhein-westfälischen Landtag schon einmal diskutiert. Sie fand aber im Jahr 2011 keine tragfähige Mehrheit. Fakt ist, dass die Katzen, ob satt oder nicht, ihren Jagdtrieb ausleben.

Der LbV bestätigte, dass Katzen durchaus eine Gefahr für Singvögelbestände sein können. "Sie bringen eine erhebliche Zahl an Vögeln zur Strecke“, so Erlwein. Meist trainieren die Katzen nur ihre Jagdfähigkeiten, nur selten werden die Opfer wirklich auch verzehrt.

200 Millionen Vögel pro Jahr landen in den Fängen der Katzen

Die Experten des LbV gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich etwa 200 Millionen Vögel erbeutet werden. Gefangen werden auch Fledermäuse, Eidechsen und kleinere Säugetiere. Die Katzen nehmen bei der Auslebung ihres Jagdtriebs natürlich keine Rücksicht auf bedrohte Arten. Für die Katze ist bei der Jagd nur wichtig, dass das Tier sich bewege, so der LbV. Schätzungen zufolge reißt eine Katze pro Jahr etwa 25 Vögel. In Deutschland leben nach einer Statistik des Industrieverbands Heimtierbedarf etwa 8,2 Millionen Katzen.

Allerdings, so geht aus einer Pressemitteilung des LbV hervor, erbeuteten die Katzen meist keine gesunden Tiere, sondern geschwächte oder unerfahrene. Dennoch: Vor allem, wenn viele Katzen in einem Wohngebiet leben, sind die Bestände der Singvögel gefährdet.

Und: Eine Katze im Revier eines Singvogels bedeutet puren Stress für den Vogel, vor allem während der Brut. Bodenbrüter wie die Feldlerche und der Wiesenpieper sind besonders betroffen, auch Reptilien und Amphibien.

Laut einer amerikanischen Studie haben Katzen schon 33 Arten ausgerottet. Die meisten davon auf Inseln, auf denen Vögel lebten, die, weil sie keine natürlichen Feinde hatten, flugunfähig waren. Eingeschleppte Katzen haben auf solchen Inseln natürlich leichtes Spiel. So ist auch Neuseelands Wappenvogel, der Kiwi, wegen der Katzen vom Aussterben bedroht.

"Katzen kommen besonders im Siedlungsbereich oft in unnatürlich hohen Dichten vor - da ihre Zahl ja nicht von der Nahrung und damit dem Lebensraum limitiert wird. Anders als Generalisten wie der Fuchs sind sie zudem 100% Fleischfresser und sehr effizient. In Kombination damit, dass Hauskatzen ein vollkommen künstliches Phänomen sind nehmen sie auch keine natürliche Rolle ein und können in der Fläche einen dominanten Einfluss haben", sagt Dr. Janosch Arnold, Referent für Europäische Großsäuger beim WWF Deutschland zu RTLaktuell.de.

Katzen- und Vogelschützer machen sich gleichermaßen dafür stark, die Halter der Katzen in die Pflicht zu nehmen. Eine Maßnahme gegen den sinnlosen Tod der Singvögel ist, den streunenden Stubentigern ein Halsband mit Glöckchen umzubinden. Allerdings rettet das Gebimmel die flugunfähigen Jungvögel nicht, und das permanente Klingeln bedeutet Stress für die Katze.

Besser ist, die Katzen im Frühling einige Tage nicht in den Garten zu lassen, wenn dort gerade Jungvögel aufgezogen werden. Wenn die Jungen flügge sind, kann die Katze wieder raus.

Um Katzen von Bäumen fernzuhalten, eignen sich besonders Brombeerranken oder Abwehrmanschetten am Baumstamm aus Kunststoff. Und: ein naturnaher Garten bietet Vögeln weitaus bessere Versteckmöglichkeiten als der sogenannte Wimbledonrasen.