Sie schufteten für sieben Stadien, einen neuen Flughafen und weitere Projekte

Über 6.500 Gastarbeiter starben seit WM-Vergabe in Katar

Baustellen in Doha
© dpa, Bernd von Jutrczenka

23. Februar 2021 - 17:30 Uhr

Zwei Millionen Gastarbeiter bauen derzeit in Katar an Projekten für die WM

2022 soll die Fußball-WM in Katar stattfinden. Seit der Vergabe im Jahr 2010 rüstet sich der Wüstenstaat für die Großveranstaltung und baut eine ganze Infrastruktur in Rekordzeit auf. Im Einsatz für neue Stadien, einen Flughafen, Hotels und weitere Projekte sind Millionen Gastarbeiter aus ärmeren Ländern – oft unter widrigsten Arbeitsbedingungen. Wie die englische Zeitung "Guardian" nun recherchiert hat, sind seit 2010 über 6.500 Gastarbeiter in Katar gestorben.

Pro Woche starben im Schnitt 12 Arbeiter in Katar

Die Zeitung hat Daten aus den Herkunftsländern der Arbeiter ausgewertet und kommt so auf die erschreckend hohe Zahl von 6.751. Seit der Vergabe der WM an Katar im Jahr 2010 seien im Schnitt pro Woche 12 Arbeiter aus Indien, Bangladesch, Nepal, Sri Lanka und Pakistan gestorben. Die wahre Anzahl der verstorbenen Arbeiter sei vermutlich aber viel höher, da die Berechnungen keine Daten aus Ländern wie den Philippinen oder Kenia beinhalteten, die ebenfalls sehr viel Arbeiter nach Katar schickten, heißt es in dem Bericht. Momentan leben in Katar demnach knapp 2 Millionen Gastarbeiter.

Laut offiziellen Angaben aus Katar gibt es nur 37 Todesfälle mit direktem Zusammenhang zu WM-Baustellen

Während das Organisationskomitee aus Katar offiziell nur von 37 Todesfällen in direktem Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die WM berichtet, sprechen die Daten aus den Herkunftsländern der Arbeiter eine andere Sprache. Dort werden als Todesursachen unter anderem Stürze aus mehreren Metern Höhe oder Tod durch Erhängen aufgelistet.

Herz-Kreislauf-Zusammenbrüche werden als natürliche Todesursache gezählt

Der größte Anteil der Todesursachen geht laut der Daten auf "natürliche Umstände" zurück. Dazu werden auch Herzanfälle oder Herz-Kreislauf-Zusammenbrüche gezählt. Die Arbeiter, die an diesen Ursachen sterben, werden laut "Guardian" größtenteils nicht obduziert – es ist also unklar, ob der plötzliche Tod direkt mit den Arbeitsumständen zusammenhängt. Doch bereits 2019 veröffentlichte Zahlen des "Guardian" legten einen Zusammenhang mit der extremen Hitze Katars und langen Arbeitszeiten ohne Pause nahe.

Katars Regierung und Fifa bestreitet überproportionale Sterblichkeit in Katar

Die Regierung von Katar bestreitet die Zahlen laut "Guardian" nicht, behauptet dem Bericht zufolge aber, die Zahl der Todesfälle liege im Rahmen der üblichen Statistik für die Bevölkerung. Auch die Fifa sagte der Zeitung auf Anfrage, die Häufigkeit der Todesfälle im Zusammenhang mit den Bauprojekten für die WM sei im Vergleich mit anderen Großbaustellen auf der Welt niedrig. Es gebe "sehr strenge Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen" auf den Baustellen. Einen Beleg lieferte die Organisation dafür nicht.

Amnesty International sieht Fortschritte - doch Reformen werden oft unzureichend umgesetzt

Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat sich die Lage ausländischer Arbeiter in Katar zuletzt verbessert, das Land setze seine Reformen aber nur unzureichend um. Zudem werden demnach einheimische Arbeitgeber bei Verstößen häufig nicht zur Rechenschaft gezogen. Dadurch sind laut Amnesty Tausende Arbeiter weiter der Gnade skrupelloser Arbeitgeber ausgesetzt, deren Missbräuche straflos blieben.