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Kassenpatienten warten länger als Privatversicherte

17. Juli 2011 - 19:36 Uhr

Privatversicherte deutlich bevorzugt

Viele Kassenpatienten wird diese Meldung keineswegs verwundern: Gesetzlich Versicherte warten im Durchschnitt mehr als drei Mal so lange auf einen Termin beim Facharzt als Privatpatienten. Dies berichtet das Magazin 'Spiegel' unter Berufung auf eine Umfrage der AOK Rheinland/Hamburg in ihrer Region.

Prvatversicherte bekommen einer AOK-Studie zufolge erheblich schneller einen Termin beim Arzt als Kassenpatienten.
Volle Wartezimmer: Kassenpatienten müssen deutlich länger auf einen Termin beim Arzt warten.
© dpa/dpaweb, Z1022 Patrick Pleul

Demnach bekommen Privatversicherte durchschnittlich nach 19 Tagen einen Termin, während 'normale' Kassenpatienten deprimierende 71 Tage Wartenzeit in Kauf nehmen müssen.

Dies fand die AOK mit mehr als 800 Testanrufen in Arztpraxen heraus, so das Magazin. Mitarbeiter gaben sich beim ersten Anruf als gesetzlich Versicherte aus, später fragten sie als vermeintliche Privatpatienten nach einem Termin. Sie versuchten, einen 'normalen' Untersuchungstermin zu vereinbaren, nicht wegen eines akuten Notfalls.

Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland/Hamburg, sagte dem Bericht zufolge, das Verhalten mancher Fachärzte sei "äußerst ärgerlich". Allerdings sehe er keine kurzfristige Änderung, denn es gebe es keine wirkungsvollen Sanktionsmöglichkeiten. "Die Kassen sollten das Recht bekommen, nicht mehr mit Fachärzten zusammenarbeiten zu müssen, die gesetzlich Versicherten keine zeitnahen Termine geben", findet er.

An der Anzahl von Ärzten liegt es nicht

Die Nachteile für Kassenpatienten hat laut 'Spiegel' nichts mit der Anzahl von Ärzten zu tun; es gebe (mit Ausnahme einiger ostdeutscher Regionen) bundesweit ausreichend Mediziner. Der Grund liege vielmehr im Gesundheitssystem. "Während die meisten Kassenleistungen streng reglementiert sind, können die Mediziner mit individuellen Zusatzangeboten sowie beim Behandeln von Privatpatienten ordentlich Geld verdienen. Für Privatpatienten können sie oft mehr als doppelt so hohe Rechnungen stellen wie bei Mitgliedern von gesetzlichen Krankenkassen", heißt es.

Schätzungsweise würden viele Ärzte 30 Prozent ihres Einkommens mit Privatpatienten erwirtschaften, obwohl nur zehn Prozent der Deutschen eine private Krankenversicherung besäßen. Zwei-Klassen-Medizin – offenbar längst Realität in Deutschland.

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