„Wir sollen möglichst nachhaltig handeln"

Bäcker zeigt Kassenbon-Irrsinn mit einem Bild

Ein riesiger Haufen Müll - dabei sind das nur die Bons von drei Stunden in der Landbäckerei Scholz.
© facebook.com/Landbäckerei-Scholz

05. Dezember 2019 - 10:37 Uhr

Papier für jedes verkaufte Brötchen

Für jedes verkaufte Brötchen sollen Bäcker ab 2020 einen Kassenbon ausdrucken, um Steuerhinterziehung zu vermeiden. Das beißt sich jedoch vehement mit dem Nachhaltigkeitsbewusstsein, das sich auch in Deutschland verbreitet hat. Und so laufen die Bäcker Sturm. Erst letzte Woche präsentierte Bäckermeister Michael Tenk einen riesigen Haufen Bons, die er zwei Tage lang gesammelt hatte. Nun postete ein Bäcker aus dem niedersächsischen Rinteln ebenfalls ein Bild, das den Bon-Irrsin auf seinem Tresen zeigt. Dabei handelt es sich um Ausdrucke von nur drei Stunden!

Aus dem Drucker direkt in den Müll

Das Schlimme daran: Nur eine Person wollte seinen Kassenbon mitnehmen. Der Rest wanderte mit dem kurzen Zwischenstopp direkt ins Altpapier. "Wir sollen möglichst nachhaltig handeln, Verpackungsmaterial sparen, Müll reduzieren, Dieselupdates durchführen, obwohl das Auto anschließend mehr verbraucht, und Bons drucken, die keiner will", regt sich Bäckermeister Dominik Scholz auf.

Und er kriegt jede Menge Zuspruch. Ein Leser kommentiert das Foto mit einem Vorschlag: "Am besten, alle Bäcker sammeln alle Kassenbons, fahren dann in ein paar Monaten und kippen den Sondermüll in den Flur ins Ministerium." Der Bäckermeister hat noch eine bessere Idee und lädt die Bundesregierung ein, ihn einmal bei seiner Arbeit zu besuchen und zu begleiten, um den Irrsinn zu verstehen.

Auswirkungen auf uns alle

"Für die Bäckereien deuten sich derzeit keine neuen Lösungen an, auch aus dem Ministerium gibt es im Augenblick keine Hinweise, dass es unbürokratische Lösungen für die Branche geben wird, die den Bon- und Müllwahnsinn beenden. Das ist in Anbetracht der durchgängig in Politik, Gesellschaft und Medien geäußerten flächendeckenden Kritik völlig unverständlich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Daniel Schneider.

"Wir haben deshalb einen Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz geschrieben und um Korrektur seines Anwendungserlasses aus dem Sommer des Jahres gebeten, weil er in rechtswidriger Weise die gesetzliche Ausnahmevorschrift viel zu stark einschränkt und damit praktisch leerlaufen lässt", sagte Schneider. Gleichzeitig habe der Verband einen Antrag auf Befreiung von der Belegausgabepflicht für das Deutsche Bäckerhandwerk gestellt.

Das Bundesfinanzministerium verwies darauf, dass die Belegausgabepflicht die Transparenz stärke und gegen Steuerbetrug helfe. "Die Bons werden eigentlich nur bei den stichprobenartigen Überprüfungen gebraucht, wenn die Steuerprüfer in den Laden kommen und Kasse und Bons abgleichen", sagte eine Sprecherin.

Doch die Bonpflicht hat nicht nur Auswirkungen auf den Einzelhandel, sondern auf uns alle. Welche das sind, erfahren Sie hier.

Hintergrund der Aktion des Bäckers ist die Abgabenordnung. Das gesetzliche Regelwerk sieht ab 2020 die Pflicht vor, jedem Kunden einen Beleg auszuhändigen.