Einzelhandel rechnet mit 2 Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons

Bon-Pflicht ab 2020: Diese Folgen hat der Kassenbon-Zwang für uns alle

© dpa, Andrea Warnecke, may wst

20. November 2019 - 10:56 Uhr

Einzelhändler müssen wegen Kassenbon-Pflicht aufrüsten

Ab 1. Januar 2020 besteht eine Bon-Pflicht für alle Einzelhändler. Konkret bedeutet das, dass jeder Ladenbesitzer seinem Kunden einen Kassenbon in die Hand drücken muss.

Belegausgabepflicht soll Steuerbetrug verhindern

Die Kassenbon-Pflicht ist Teil der Kassensicherungsverordnung, die Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern soll. So sollen Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden.

Ursprünglich sollten alle Kassen bis zum Jahresbeginn 2020 die neuen Vorschriften erfüllen. Das Finanzministerium räumte nun aber Zeit bis Ende September ein. Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisierte bereits, die benötigte Technik sei noch nicht am Markt verfügbar und die Umstellung kostspielig. "Erste grobe Kostenschätzungen liegen einschließlich Installation zwischen 300 und 500 Euro pro Kasse", sagt Ralph Brügelmann vom HDE.

Durch die neue Pflicht zum Kassenbon befürchtet der deutsche Einzelhandel einen enormen bürokratischen Aufwand und erhebliche Kosten. "Im Einzelhandel in Deutschland rechnen wir mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr", so Ralph Brügelmann. Die Anzahl und Länge der auszugebenden Kassenzettel werde spürbar zunehmen. Besonders stark betroffen seien Unternehmen, die viele günstige Artikel verkaufen - wie zum Beispiel Kioske oder Bäckereien.

Was bedeutet die Bon-Pflicht für die Verbraucher?

Auch die Verbraucher werden die Folgen der sogenannte Belegausgabepflicht zu spüren bekommen: "Die Verbraucher erhalten viel mehr Kassenbons ausgehändigt, als es jetzt der Fall ist", erklärt Ralph Brüggelmann vom HDE. Es kann auch bedeuten, dass der Kassiervorgang an Kassen länger dauert, da die Papierrollen viel häufiger ausgetauscht werden müssen.

Die Beschäftigten, die an der Ladenkasse die Bons ausdrucken müssen, machen sich dagegen sorgen um ihre Gesundheit. Denn auf der speziellen Außenbeschichtung von Kassenbons befindet Bisphenol. Bisphenol A kann unter anderem die Schilddrüse, den Zyklus und sogar die Fruchtbarkeit beeinflussen. Die Substanz wird über die Haut aufgenommen. Besonders schädlich ist sie für diejenigen, die täglich damit zu tun haben – wie Kassierer, die ständig die Zettel in die Hand nehmen.

Einig sind sich Verbraucher und Händler bereits jetzt, dass die Belegausgabepflicht einen Bärendienst für die die Umwelt darstellt. Denn "die Bon-Pflicht ist nicht an den Einkauf gebunden, sondern daran, dass eine Registrierkasse benutzt wird", erklärt Steuerexperte Ralph Brüggelmann. Die Steuerehrlichkeit des Einzelhändlers könnte auf technischem Wege nachgewiesen werden. Denn bereits durch die technische Sicherheitseinrichtung in der Kasse wird mit dem Start des Kassiervorgangs eine Transaktion ausgelöst, die sich nicht mehr spurlos beseitigen lässt. Ob der Kunde einen Bon erhält oder nicht, ist für die steuerelevante Verbuchung unerheblich. Und recycelt werden können die Kassenbons auch nicht, denn wegen der Thermopapierbeschichtung gehören sie nicht ins Altpapier. 

Quelle: DPA/RTL.de